Speyer

Geschäftsleben Buchhandlung Oelbermann schließt Hauptgeschäft Ende Januar und Filialen zur Jahresmitte / Kein Nachfolger zu finden

Letztes Kapitel nach 72 Jahren

Speyer.Die weit über Speyers Grenzen hinaus bekannte Buchhandlung Oelbermann schließt ihr Hauptgeschäft in der Wormser Straße 12 zum 31. Januar. Das gleiche Schicksal ereilt die Filialen in Schifferstadt und Limburgerhof etwa Mitte dieses Jahres. Mit den Geschäftsaufgaben endet eine Familientradition, die 1949 ihren Anfang genommen hat. Inhaberin Evelyne Oelbermann erklärte auf Nachfrage, dass alle Bemühungen, einen Nachfolger zu finden und damit die Arbeitsplätze zu erhalten, vergeblich waren.

Die Lage sei schon nicht einfach gewesen, nachdem ihr Ehemann Reinhard 2019 im Alter von nur 63 Jahren verstorben war. Was dann jedoch durch die Corona-Pandemie passiert sei, habe nicht nur potenzielle Interessenten abgeschreckt, sondern ihre Entscheidung für den eigenen Ruhestand noch beschleunigt, sagte die Witwe.

Dass ihr die Entscheidung nicht leichtgefallen sei, verstehe sich von selbst. Schließlich seien insgesamt 18 meist langjährige Mitarbeiter davon betroffen, die sich in wenigen Monaten beruflich neu orientieren müssten, bedauerte die Geschäftsführerin.

In der Wormser Straße sind derzeit noch zwei Mitarbeiter im Verkauf und zwei in der Verwaltung tätig. Die beiden Beschäftigten im Ladenbereich wickeln bis 31. Januar Kundengeschäfte ab und wechseln danach für die restlichen Monate in die Filialen. Die beiden anderen Angestellten arbeiten bis zur Schließung der Filialen weiter in der Verwaltungszentrale.

Bestellungen weiter möglich

In Speyer haben Kunden noch bis Ende Januar Gelegenheit, unter der Telefonnummer 06232/6 02 30 oder per E-Mail unter info@oelbermann.de Bücher und weitere Angebote aus dem umfangreichen Sortiment zu bestellen. Zur Abholung in der Wormser Straße 12 ist ein Schalter eingerichtet. Nach dem 31. Januar verbliebene Restbestände werden auf die Filialen aufgeteilt. Was den Restbestand nach Schließung auch dieser Niederlassungen anbelangt, schwebt Evelyne Oelbermann im günstigsten Fall eine Rücknahme durch die Verlage vor. Dazu will sie in Kürze Verhandlungen führen.

Evelyne Oelbermann war 43 Jahre mit Reinhard verheiratet und hat ihren Mann schon immer bei seiner Arbeit als Buchhändler und langjährigem Alleingesellschafter der Oelbermann GmbH unterstützt. Als er im März 2016 für die CDU in den Landtag von Rheinland-Pfalz gewählt wurde, hat sich dieses Engagement noch verstärkt.

Nun hat sie die traurige Aufgabe, ein allgemein geschätztes Unternehmen abzuwickeln, das 1949 von Wolfgang Oelbermann als Lehrmittelhaus in der Wormser Straße gegründet wurde. In der Folgezeit entwickelte sich daraus eine Sortimentsbuchhandlung mit eingegliedertem Lehrmittelgeschäft.

Zu den Umstrukturierungsmaßnahmen mit einer sukzessiven Erweiterung des Sortimentes gehörten auch zwei Umzüge. Seit Gründung stets in der Wormser Straße ansässig, fand der letzte Umzug 1973 an die heutige Adresse statt. Reinhard Oelbermann trat 1978 in das Geschäft ein, das er bis zum Ableben seines Vaters im Jahre 1989 gemeinsam mit diesem führte. Von 1989 bis zur seiner Wahl als Landtagsabgeordneter 2016 war der Sohn des Firmengründers geschäftsführender Alleingesellschafter der Oelbermann GmbH. Von 2016 bis zu seinem Tod 2019 teilte er sich diese Aufgabe mit seiner Ehefrau Evelyne.

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