Speyer

82 Jahre Pogromnacht Stadtspitze und DGB legen Kränze am jüdischen Mahnmal nieder

Menschen zu stillem Gedenken eingeladen

Archivartikel

Speyer.Aufgrund der Corona-bedingt geltenden Einschränkungen konnte die Gedenkstunde zum 9. November, die die Stadt Speyer traditionell gemeinsam mit dem DGB Stadtverband Speyer, Region Vorder- und Südpfalz, durchführt, nicht wie geplant stattfinden. Um dennoch ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen, hat die Stadtspitze gemeinsam mit Vertretern des DGB in stillem Gedenken Kränze am jüdischen Mahnmal in der Hellergasse niedergelegt.

„Leider verhindert die Corona-Pandemie, dass wir diesen traurigen Tag der deutschen Geschichte wie gewohnt begehen können. All jene, die der Opfer der Reichspogromnacht gedenken möchten, sind aber herzlich eingeladen, alleine zum Gedenkstein zu kommen, einen Moment innezuhalten und vielleicht eine Blume oder Grablicht dort zu lassen“, betonte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler.

„Gedenkveranstaltungen wie diese sind wichtig, damit wir uns regelmäßig daran erinnern, dass solche Grausamkeiten nie wieder passieren dürfen. Niemand darf je wieder auf Merkmale wie Religion, Herkunft oder Hautfarbe reduziert werden. Die Nazis haben dafür gesorgt, dass die Menschen ihr Mitgefühl und ihre Menschlichkeit verloren haben – dies in Zukunft zu verhindern, ist unser aller Aufgabe“, sagte Seiler.

Gedacht wird am 9. November der schrecklichen Vorkommnisse in der Nacht zum 10. November 1938, der sogenannten Reichspogromnacht, als neben vielen anderen jüdischen Gotteshäusern deutschlandweit auch die ehemalige Speyerer Synagoge in der Hellergasse bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde.

Gedenkstätte hält Erinnerung wach

Darüber hinaus hat die Stadtspitze den geschichtsträchtigen Tag genutzt, um die Mitgliedschaft im „Förderverein Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt/W.“ zu erklären. Vorstandsvorsitzender Eberhard Dittus nahm deshalb ebenfalls am stillen Gedenken teil und verwies darauf, dass auch fünf junge Männer aus Speyer, die alle Mitglieder der Naturfreunde waren, im Schutzhaft- und Arbeitslager in der ehemaligen Turenne-Kaserne in Neustadt inhaftiert waren.

Das Lager zählt zu den frühen Konzentrationslagern und diente dem verbrecherischen Nazi-Regime zur Einschüchterung ihrer politischen Gegner. Nahezu 500 Männer aus mehr als 80 Gemeinden in der Pfalz wurden hier wochenlang gefangen gehalten und misshandelt. Die Gedenkstätte erinnert an diese Männer und wurde als Geschichtswerkstatt und Museum ausgebaut.

„Mit der Mitgliedschaft im Förderverein möchten wir als Stadt ein deutliches Zeichen setzen und der Menschen gedenken, die im Neustadter Lager unter menschenunwürdigen Bedingungen leiden mussten“, sagte die Oberbürgermeisterin. zg

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