Speyer

Gemeinnützige Baugenossenschaft Institution wurde vor 100 Jahren gegründet / Erste Maßnahme war der Bau von Häusern in der Peter-Drach-Straße und Blaulstraße

Mit 27 Häusern fing nach dem Krieg alles an

Archivartikel

Speyer.„Hilfe zur Selbsthilfe“ – unter diesem Motto stand die Gründung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Speyer (GBS) 1919, als die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg spürbar groß war und dringend preiswerter Wohnraum benötigt wurde. Im Anschluss an den Weltkrieg haben Wohnungsbau-Pioniere am 21. Februar 1919 die GBS gegründet.

Auf einhundert Jahre Erfolgsgeschichte blickten Vorstand und Aufsichtsrat in einer vom Duo „Poets Musicales“ umrahmten Feierstunde exakt am Geburtstag im historischen Ratssaal mit rund einhundert geladenen Gästen zurück, wobei auch ein Gläschen Jubiläumssekt und ein Schlückchen Wein den Blick in die Zukunft des sozialen und kommunalen Wohnungsbaus nicht trübten. Nach den Mühen der Vorbereitung auf das Jubiläum zeigte sich Michael Schurich, kaufmännischer Vorstand, erfreut darüber, dass er endlich die Gäste aus Politik, Wirtschaft und Geschäftswelt zu dem Festtag begrüßen und ihnen für den Heimweg ein 160 Seiten starkes Geburtstagsbuch ankündigen konnte.

Selbst Hand angelegt

Bereits 1874 gab es einen ersten Vorstoß beim Bau von Häusern in der Diakonissenstraße, berichtete Aufsichtsratsvorsitzender Walter Feiniler. Doch dieser Gemeinschaftssinn hat die folgende Weltwirtschaftskrise nicht überlebt. Nach der GBS-Gründung wurden als erste Maßnahme 39 Wohnungen in 24 Einfamilienreihenhäusern und drei Fünffamilienhäusern in der Peter-Drach-Straße und der Blaulstraße, der Keimzelle des Unternehmens, gebaut. Die ersten Baugenossen haben selbst mit Hand angelegt beim Bau ihrer Häuser und Wohnungen. Es folgten Baumaßnahmen in der Schützenstraße, dann im Quartier Burgfeld in der Eugen-Jäger- und der Lina-Sommer-Straße sowie in den Gartenwegen.

Der Wohnungsbestand belief sich vor Beginn des Zweiten Weltkrieges auf rund 300 Wohnungen. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Bautätigkeit ganz. Sie nahm in der Nachkriegszeit aber einen stürmischen Verlauf, so dass das Unternehmen im Jahre 1964 einen Bestand von 1094 Wohnungen mit 14 Läden und 72 Garagen aufwies. Ausdrücklich dankte Feiniler seiner Amtsvorgängerin Elke Jäckle für deren langjähriges Engagement und besonders für die Gründung des Nachbarschaftsvereins. Dieser werde dankenswerterweise von Sozialpädagogin Karin Hille-Jacoby mit viel Leben gefüllt.

Wohnen bezahlbar halten

Die bedeutende Funktion von Wohnungsbaugenossenschaften für die Verbraucher unterstrich Axel Gedaschko, Präsident des GdW-Bundesverbandes der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Zusammen mit der GBS feierten in diesem Jahr 35 Genossenschaften 100. Jubiläum, erinnerte der Präsident des Dachverbandes an die Pioniere des Genossenschaftsgedankens, Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch. 800 Millionen Mitglieder sind laut Gedaschko heute bundesweit in 7500 Genossenschaften aktiv, nicht alle im Wohnungsbau, sondern beispielsweise auch im Weinbau, betonte der passionierte Weintrinker. Es gelte in Zukunft gutes Wohnen weiter bezahlbar zu halten und angesichts rund einer Million fehlender Wohnungen sich verstärkt der Bauland-Gewinnung zu widmen. Gedaschko betonte: „Wir brauchen eine Aufbruchsstimmung für mehr Wohnraum.“

Dass Speyer im vergangenen Jahr ein Bündnis für sozialen Wohnungsbau gegründet hat, bezeichnete Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Finanzministerium, als den richtigen Weg. Und mit Partnern wie der GBS und der Gewo, für die der frühere Geschäftsführer Alfred Böhmer an der Geburtstagsfeier teilnahm, brauche sich die Domstadt „keine Sorgen zu machen“. Seit jeher sei Speyer „als Wohnstadt sehr begehrt“, sieht Oberbürgermeisterin und „Baugenossin“ Stefanie Seiler auch in ihrer Stadt, dass die „Nachfrage deutlich das Angebot übersteigt“. Das neue Wohnraum-Konzept soll bewirken, „dass alle am Wohnungsmarkt teilhaben können“.

Es sei höchste Zeit gewesen, dass sich auf dem Wohnungsmarkt etwas bewege, nachdem zu lange abgewartet wurde, dankte Vorstandsmitglied Rolf S. Weis in seinem Schlusswort vor allem GdW-Präsident Gedaschko, der allen Baugenossen „aus dem Herzen gesprochen“ habe und dem Ratskeller-Team von Ehepaar Braun für die hervorragende Bewirtung.

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