Speyer

Speyer.Lit Autor Uwe Ittensohn stellt seinen mystischen Thriller „Abendmahl für einen Mörder“ vor / Lokalmatador macht Leser mit Gaststätten und Weinstuben vertraut

Mit verschiedenen Dialekten auf Tätersuche

Archivartikel

Speyer.Die literarische Reihe „Speyer.Lit“ mit Lesungen, Performance und Livemusik befindet sich auf der Zielgeraden. Sie klingt mit Lesungen am Samstag, 14. März, 20 Uhr, im Historischen Ratssaal und am Freitag, 27. März, 20 Uhr, in der Heiliggeistkirche aus.

Am Dienstag stellte der Speyerer Autor Uwe Ittensohn seinen mystischen Thriller „Abendmahl für einen Mörder“ in der Heiliggeistkirche vor. Wer befürchtet hatte, dass das Coronavirus sich negativ auf die Besucherresonanz auswirken würde, wurde eines Besseren belehrt – alle verfügbaren Plätze waren belegt .

Allerdings mussten sich die etwa 150 Besucher für den Fall der Fälle mit einigen persönlichen Daten in vorbereitete Kontaktformulare eintragen. Wird innerhalb der Inkubationszeit von 14 Tagen kein Fall bekannt, werden die bei der Stadt unter Verschluss aufbewahrten Formulare vernichtet. Die gute Resonanz bei der in Kooperation mit der Buchhandlung Osiander und dem Dombauverein Speyer erfolgten Präsentation erfreute auch dessen Vorsitzenden Professor Dr. Gottfried Jung, da pro verkauftem Buch ein Euro für den Erhalt des Kaiser- und Mariendomes gespendet wird. Eine gute Nachricht überbrachte auch Bürgermeisterin Monika Kabs, die von der Schulmanufaktur der Burgfeldschule hergestellte „Domtaschen“ vorstellte, deren Verkaufserlös dem Dombauverein komplett zur Verfügung gestellt wird. Sie sind ab Samstag, 14. März, im Dompavillon erhältlich. Als Unikate in Handarbeit gefertigt, kosten sie je nach Modell 49 und 69 Euro.

Folgenschwerer Steinwurf

Die Lesung von sieben Kapiteln aus dem 43 Kapitel umfassenden Kriminalroman eröffnete Ittensohn mit einer düsteren Passage, in der sich ein namentlich nicht genannter Büßer im Schein flackernder Kerzen mit 33 Hieben für jedes Lebensjahr von Jesus geißelte. Dem folgte ein folgenschwerer Steinwurf (ein Schatten von oben, ein Schlag, Dunkelheit) von einer über die B 9 führenden Brücke bei Speyer. Wer nun glaubte, Selbstkasteiung und Steinwurf bildeten bei der Lesung den Auftakt zu Mordopfern, kriminalistischen Ermittlungen und erfolgversprechender Tätersuche, musste umdenken. Zwar wird das alles im Roman geschildert, aber Ittensohns Kapitelauswahl beschränkte sich auf allgemeine Situationsschilderungen, in denen der redegewandte Autor auch gekonnt Dialekte verschiedener Regionen nachahmte und den Besuchern mit schauspielerischem Talent die sichtlich erregte italienische „Mama“ einer Speyerer Eisdielen-Dynastie nahebrachte. Bei einer detailreichen Unterhaltung in einer bekannten Speyer Brezelbäckerei kam Pfälzisch ebenfalls nicht zu kurz. Obwohl im Roman beide Hauptakteure mit einer kriminalistischen Spürnase ausgestattet sind, ging es im vorgetragenen Zwiegespräch von Stadtführer Sartorius und seiner Mieterin Irena auch nicht um Mord und Totschlag, sondern um die Sorge über eine Erkrankung Irenas.

Vertraut machte der literarische Lokalmatador neben dem Dom auch mit Gaststätten und Weinstuben wie dem Narrenstübchen, das ebenfalls im Buch erwähnt wird und dessen „Kultwirtin“ Inge Fleischmann unter den Besuchern weilte. Die kriminalistische Handlung hingegen blieb im Dunkeln. Ohne zu viel zu verraten, hätten Spurensuche, Verdachtsmomente und die Erkenntnis, dass vermeintlich normal Verstorbene doch Opfer einer minutiös geplanten Mordserie waren, der Spannung gutgetan. Vor allem, weil während der von Dagmar Strubel (Leiterin Buchhandlung Osiander) moderierten Lesung klar wurde, welchen Aufwand der „Genauigkeitsfanatiker“ Ittensohn betrieben hat. Das Rätselhafte, das der Autor nach eigener Aussage gerne mit der Stadtgeschichte verquickt, blieb an diesem Abend leider fast gänzlich auf der Strecke. mey

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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