Speyer

Musiktage Mendelssohns „Paulus“ im Speyerer Dom

Musikalische Mahnung

Archivartikel

Mit der Aufführung des „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy hat es seine besondere Bewandtnis. Zum einen eröffnet sie die Internationalen Musiktage im Dom zu Speyer. Zum anderen lässt sie sich, 80 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, als Mahnung verstehen: 1933 wurde die Musik des getauften Juden Mendelssohn verboten. Heute müssen Angehörige des jüdischen Glaubens in diesem Land abermals um ihre Sicherheit und Unversehrtheit fürchten.

Gleichzeitig ist der „Paulus“ natürlich auch ein Manifest unerschütterlichen Gottvertrauens. Etwa 120 Sängerinnen und Sänger des Domchors geben der dramatischen Wandlung des Saulus zum Paulus in fesselnden Chören Ausdruck. Die Steinigung des Stephanus erfährt eine ebenso erschütternde Darstellung wie jenes Damaskus-Erlebnis – dank den hellen Stimmen des Mädchenchors und der Domsingknaben, die das göttliche Eingreifen mit jenseitigen Himmelsstimmen inszenieren.

Beherzter Schwung

Domkapellmeister Markus Melchiori leitet diese opulente Aufführung mit beherztem Schwung. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz agiert in den Tutti-Passagen mit weit ausschwingender Gestik und in den Vokalsolo-Partien mit kammermusikalischer Zurücknahme. Tenor Georg Poplutz, Bassist Klaus Mertens, Sopranistin Mechthild Bach und Altistin Esther Frankenberger finden im Quartett „O Jesu Christe, wahres Licht“ in schwebender Homogenität zusammen. Wer als Saulus gekommen ist, geht hier als Paulus wieder davon. 

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