Speyer

Feuerwehr Abriss und Neubau kommen die Stadt teuer zu stehen / Rund 23,9 Millionen Euro sind veranschlagt / Tiefgarage und schusssichere Fenster treiben Kosten

Neue Wache am alten Platz

Archivartikel

Speyer.Die Feuerwehr der Stadt ist im Wandel, nicht nur personell. Nachdem sich das Mischmodell aus ehrenamtlicher und hauptamtlicher Besetzung eingespielt und der Wechsel an der Spitze im Juli vollzogen wurde, steht nun die nächste Herausforderung an: der Neubau einer Feuerwache und die Einrichtung eines Stützpunkts im Norden der Stadt – ein Millionenprojekt.

Überholt ist der Standard der bestehenden Feuerwache in der Industriestraße inzwischen. Daran besteht sowohl für die Wehr, als auch für die Kommunalpolitik kein Zweifel. 1973 errichtet, entspricht sie nicht mehr den Anforderungen der Zeit, in der technische Hilfeleistungen deutlich mehr Einsatz erfordern als die Brandbekämpfung an sich.

Seit sechs Jahren im Gespräch

Das Thema Feuerwache beschäftigt die Stadt nunmehr seit sechs Jahren. Damals, im Jahr 2014, hatte der Rat beschlossen, die Feuerwache Mitte zu errichten und auf einen Stützpunkt in Speyer-Nord zu verzichten. Verworfen werden mussten die Pläne am Ende – denn es gab kein geeignetes Gelände. Der Beschluss wurde aufgehoben und neu aufbereitet.

Im Februar 2020 wurde eine veränderte Feuerwehrbedarfsplanung beschlossen. Ein Ergebnis daraus: Die alte Wache muss weg und eine neue soll her – am gleichen Standort, aber den Erfordernissen der Zeit angepasst. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Rund 23,9 Millionen Euro müssen für den Neubau aufgebracht werden. Aktuell hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion einen Zuschuss in Höhe von gut 5,2 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Wo sich die Kosten verstecken, haben jetzt Architekten des Büros „kplan“ aus Abensberg im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion vorgestellt. Vor allem ein Segment frisst bare Münze: die vorgesehene Tiefgarage. Die ist – so der Sachstand – notwendig, um alle Teilbereiche der Feuerwehr auf einem Gelände unterbringen zu können. Der Keller soll dem Katastrophenschutz vorbehalten sein.

Im Erdgeschoss sollen die ehrenamtlichen Kameraden Zugang zum Gebäude haben, getrennt nach Frauen und Männern, damit das Umkleiden im Einsatzfall zügig vonstatten geht. Parkplätze werden vor der Wache an der Industriestraße vorgehalten. Dorthin ist auch die Hauptrichtung im Alarmfall ausgerichtet. Eine zweite Strecke soll über die Heinkelstraße erfolgen.

Zwei weitere Geschosse werden draufgesetzt. Abgesehen von aufgeteilten Schlaf-, Wasch-, Dusch- und Seminarräumen sowie einem Fitnessbereich wird die Leitstelle im zweiten Obergeschoss eingerichtet. „Sie ist durch eine Schleuse zu erreichen“, erklärte Architekt Hanns-Peter Kirchmann. Er sprach des Weiteren von schusssicheren Fenstern. Die Erklärung: „Eine Leitstelle gilt als terrorgefährdet.“ Viele kleine, aber wichtige Vorschriften gebe es im Bauprojekt für Feuerwachen zu beachten. „Diese sorgen aber für Sicherheit und Zuverlässigkeit“, betont er. Sein Büro hat in den letzten drei Jahrzehnten über 400 Projekte im Feuerwehrbereich umgesetzt.

Von einer relativ hohen Kostensicherheit sprach Vorstand Christian Lanzinger. Nicht unerwähnt ließ er die Kostensteigerungen im Baubereich: „Diese lagen bei 20 Prozent in den vergangenen zwei Jahren.“ Gerade im Bereich der technischen Ausrüstung sei ein Anstieg zu verzeichnen. „Wir haben die Planungen aber mit Augenmaß gewählt“, betont er.

In Massivbauweise und unter Einsatz einer Eigenstromversorgung soll die neue Wache errichtet werden. Rund 10 000 Kubikmeter Masse müssen dafür abgebrochen werden. Die Kosten für den Baugrubenaushub liegen bei 427 031 Euro, bedingt vor allem durch das Unterkellern.

„Der Bau einer Feuerwache ist komplizierter als der eines Gerätehauses“, machte Michael Hopp deutlich. Als Stadtfeuerwehrinspekteur hat er sich redlich dafür eingesetzt, den Neubau voranzutreiben. Im Sommer gab er sein Amt an Peter Eymann ab. Dieser zeigte sich im Ausschuss ebenso motiviert. „Wir fühlen uns in die Planungen gut eingebunden“, versicherte er.

Synergien mit Baubetriebshof

Einher gehen soll der Neubau mit einer Überprüfung möglicher Synergieeffekte zum benachbarten Baubetriebshof. Auch dort sind Mängel festzustellen. Inwieweit beispielsweise technische Anlagen gemeinsam genutzt werden können, soll untersucht werden. Möglicherweise kann auch auf die Tiefgarage verzichtet werden. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) informierte auch über laufende Gespräche mit dem THW Ortsverband, dessen Gelände direkt ans Feuerwehrgelände angrenzt. Über eine Umsiedlung werde nachgedacht.

Während der Stadtrat am 19. November erst noch final über die Umsetzung der Planung für den Bau einer neuen Feuerwache entscheiden muss, ist der Beschluss bezüglich eines Stützpunkts in Speyer-Nord bereits einen Schritt weiter. Gemäß Stadtratsbeschluss vom 29. Oktober soll der Bebauungsplan aufgestellt werden und die Offenlegung noch im November erfolgen.

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