Speyer

Mahnmal für Nazi-Opfer Stahlstelen zum Parkplatz hin angebracht

Optische Abgrenzung verleiht neue Würde

Archivartikel

Speyer.Endlich – so möchte man mit einem Stoßseufzer sagen – ist das Mahnmal zum Gedenken an die Brandschatzung der Speyerer Synagoge durch die Nazis im Jahr 1938 sowie an die Verfolgung und Ermordung Speyerer Juden, durch einen Paravent aus Metall von seiner unmittelbaren und in einem schauderhaften Zustand befindlichen Umgebung optisch abgegrenzt. Wenn jetzt noch die eine oder andere Polizeistreife dafür sorgen würde, dass sich die Jugendlichen nicht mehr mit Bierflaschen obendrauf setzen, dann erhielte der Platz eine gewisse Würde zurück, die dem Gedenken an die Schreckenstat angemessen wäre.

Hinter dem Kaufhof am früheren Standort der Synagoge an der Straßenecke Karlsgasse/Hellergasse nach einem Entwurf des Speyerer Bildhauers Wolf Spitzer bereits im Jahr 1992 errichtet, wird der Blick auf den grauen, aus schweren Basaltlavaplatten zusammengefügten Kubus mit abgeknickten Davidstern und der Inschrift „Zum Gedenken an die Ermordung der jüdischen Mitbürger in Vernichtungslagern des Naziregimes“ nicht mehr vom unschönen, in Privatbesitz befindlichen, als Parkplatz genutzten und meist ungepflegtem Umfeld mit maroder Pflasterung abgelenkt.

Dies wurde möglich durch die Installation von ineinander gekanteten, zweifarbig changierenden Eisenstelen, die der Gedenkstätte nun anders als zuvor die notwendige Intimität verleihen und zusammen mit dem Mahnmal eine harmonische Einheit bilden. Anlass der Arbeiten war letztlich eine notwendige Reparatur des Parkplatzes nach einer privaten Baumaßnahme.

Vorherige Versuche durch eine als Sichtblende gedachte Begrünung waren gescheitert. Wie das Denkmal mit transparentem Baldachin selbst, stammt der Entwurf der von einem lokalen Fachbetrieb ausgeführten Metallabgrenzung vom Speyerer Bildhauer Wolf Spitzer, den er der Stadt honorarfrei zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls kostenlos hat Malermeister Fritz Hochreither den Schriftzug durch eine dezente und auf Dauer ausgelegte Vergoldung aufgefrischt.

Die Namen der Ermordeten

Verfasst hat den Text seinerzeit Louis Metzger, ein in die USA emigrierter Speyerer Jude. Fester Bestandteil der Erinnerungsstätte ist zudem eine in den Boden eingelassene Bronzetafel mit den Namen verfolgter und ermordeter Juden, die der heute in Italien lebende Hobbyhistoriker Johannes Bruno im Zuge jahrelanger Recherchen einer durch die Nazis skrupellos betriebenen Namenlosigkeit entrissen hat.

In Ergänzung zur Neugestaltung ist die Herausgabe eines Flyers geplant. Ebenfalls noch nicht terminiert ist eine aus gleichem Anlass vorgesehene Gedenkfeier. Möglicherweise wird dabei auch an den im Februar 2020 verstorbenen Ex-Oberbürgermeister Dr. Christian Roßkopf erinnert, der zur Einweihung der Gedenkstätte am 9. November 1992 schrieb: „Möge das Leid, das hier künstlerisch Gestalt gefunden hat, allen Lebenden und Künftigen zur Mahnung werden! Damit wehrhafte Toleranz den Hass bändigt, aus dem Unrecht und Gewalt wachsen!“

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