Speyer

Buchvorstellung Publizist Oliver Bentz schreibt Erinnerungssplitter von Bildhauer Thomas Duttenhoefer auf / Wunderbare Anekdoten

Pater Leppich und das Farb-TV

Speyer.Eine treffende Anekdote kann mehr sagen als ein ganzes Geschichtsbuch! Diese im Kulturhof Flachsgasse vom Publizisten Oliver Bentz getätigte Aussage trifft uneingeschränkt auf ein Buch zu, in dem Bentz die Erinnerungssplitter des Bildhauers Thomas Duttenhoefer aus sieben Jahrzehnten aufgezeichnet und in einem 50 Seiten umfassenden Büchlein publiziert hat, das seinen besonderen Reiz aus eben jenen Überzeichnungen bezieht, die Anekdoten normalerweise zu eigen sind.

Bentz und Duttenhoefer pflegen seit Jahren über die künstlerische Zusammenarbeit hinaus freundschaftliche Kontakte. Bei einem von vielen Gesprächen wurde die Idee geboren, den speziellen Wissensschatz des Bildhauers aus der Vergangenheit in Buchform zu packen und zu veröffentlichen. Der 70. Geburtstag Duttenhoefers im Februar dieses Jahres und seine derzeit im Kulturhof Flachsgasse zu sehende Jubiläumswerkschau waren dazu willkommene Anlässe.

Keine klassischen Memoiren

Dass es sich bei den Erinnerungssplittern keinesfalls um klassische Memoiren handelt, ließ auch Franz Dudenhöffer, Leiter der Städtischen Galerie, vor Corona-bedingt lediglich 25 Besuchern anklingen. Der Galerieleiter nutzte zudem die Gunst der Stunde, um auf den druckfrisch vorliegenden Katalog zur Ausstellung hinzuweisen, der wie die Kunstschau selbst eine außergewöhnliche Qualität aufweist.

Die ersten Lacher gehörten dann Thomas Duttenhoefer, der bei seiner unterhaltsamen Lesung über Kindheits- und Jugenderinnerungen in Speyer, Wiesbaden und Darmstadt nicht nur gekonnt rezitierte, sondern auch gestisch und mimisch nichts anbrennen ließ. In den Schilderungen über Ereignisse und Erlebnisse kamen neben den Namen von Speyerer Originalen wie der stets in Pfennigen rechnenden und 2018 verstorbenen früheren Weidenberg-Wirtin Liesl Jester auch Berühmtheiten wie der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke vor. Als dieser 1960 Speyer besuchte, wurde der „unscheinbare kleine weiße Opa“ vom zehnjährigen Duttenhoefer als enttäuschender Indianerhäuptling empfunden.

Der Rückblick gestaltete sich weiter als humorvoller Parforceritt mit früheren Spielern des damaligen FV Speyer (Popovic gleich Popo), dem Gymnasium als „Quäl-Anstalt“ und Persönlichkeiten wie Thomas Schubert und Willy Weiglein, die das Interesse des jungen Duttenhoefers für die Kunst weckten.

Eine besondere Erinnerung hat der Künstler an das Speyerer Gasthaus „Zum Schwanen“. Als große Sensation hatte der Wirt das erste Farbfernsehen in Speyer angekündigt. Bei der Premiere des Films „Am Fuß der blauen Berge“ war die Gaststätte natürlich auch rappelvoll. Es stellte sich jedoch heraus, dass der clevere Wirt namens Cordes lediglich zwei farbige Folien in grün und blau vor den Bildschirm gespannt hatte, um Farbfernsehen zu simulieren. Die Begeisterung beim Publikum hielt sich in Grenzen.

Das „Maschinengewehr Gottes“

Zur Sprache kam ferner eine Kundgebung mit Pater Leppich in den 1960er Jahren auf dem Königsplatz, bei dem das „Maschinengewehr Gottes“ gegen Fresser und Säufer wetterte. Was der kleine Duttenhoefer anschließend in der Altpörtel-Weinstube auf Anfrage eines Freundes seines Vaters zum Besten gab und diesen wiederum zu der empörten Äußerung veranlasste: „Was bilded dann der sich oi, der Pater Beppich, der will mir moin Woi verbiede. Ferdinand, noch zwä Verdel!“. Dem „Pälzer Krischer“ folgen Anekdoten, die ihren Ursprung in Wiesbaden und Darmstadt haben.

Das Büchlein schließt mit einem Zitat von Nietzsche, wonach das Leben ohne Kunst ein Irrtum ist. Das trifft ohne Frage auch auf die Kunst des Schreibens und Erzählens zu, was Duttenhoefer und Bentz mit den Erinnerungssplittern hervorragend gelungen ist.

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