Speyer

Verabschiedung Jule und Artur Schütt haben die Winkeldruckerey deutschlandweit bekanntgemacht

Poetische Gestaltung zu Meisterschaft geführt

Archivartikel

Speyer.Im Juni 2001 hat die Stadt Speyer den Kulturhof Flachsgasse eröffnet, wo Städtische Galerie und Kunstverein in zentraler Lage ein neues Zuhause fanden. Ergänzt wurde das vielfältige kulturelle Angebot durch die auf dem gleichen Areal befindliche Winkeldruckerey mit angeschlossenem Typographischem Kabinett, in dem die Druckerzeugnisse wechselweise präsentiert werden.

Initiator für die Ausstattung und den Betrieb der Druckwerkstatt war Artur Schütt (Bild). Unterstützt von seiner Ehefrau und kreativen Partnerin Jule sowie einem kleinen Team ehrenamtlicher Helfer leitete der frühere Direktor des Gymnasiums am Kaiserdom und Verfasser mehrerer Bücher sowie zahlreicher anderer Publikationen die Einrichtung bis vor wenigen Wochen.

Am Montag wurden der 1932 in Oberschlesien geborene Werkstattleiter und seine Gattin auf eigenen Wunsch offiziell von der selbst gewählten und mit viel Herzblut ehrenamtlich ausgefüllten Verantwortung entbunden. An der aus Altersgründen erfolgten Verabschiedung durch Oberbürgermeister Hansjörg Eger im Neuen Trausaal des Rathauses konnte der 2003 für sein umfangreiches Gesamtwerk mit dem Pfalzpreis für Literatur ausgezeichnete Artur Schütt wegen kurzfristiger Erkrankung nicht teilnehmen.

Die vom Stadtchef vor zahlreichen Freunden und Weggefährten des Ehepaars mit größter Hochachtung ausgesprochenen Dankesworte nahm Ehefrau Jule Schütt entgegen. Eger betonte, dass es sich bei der Winkeldruckerey um ein kulturelles Kleinod handelt, das dank des langjährigen Engagements von Artur und Jule Schütt einen deutschlandweiten Bekanntheitsgrad erlangt habe.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Wie fruchtbar die fachliche Zusammenarbeit des Ehepaars war, fasste der Stadtchef in dem Satz zusammen, dass die Schütts mit ihrem ausgeprägten poetischen Gestaltungswillen in diesem Metier eine eigene Meisterschaft entwickelt hätten.

In seinem Rückblick rief Eger die mit großer Beharrlichkeit vorangetriebene Entwicklung der Druckwerkstatt in Erinnerung. Dank des unermüdlichen Einsatzes zur Förderung des künstlerischen Handpressendruckes und der experimentellen Typographie seien vor allem während den im Winterhalbjahr einmal monatlich stattfindenden Druckerwochenenden kunstvolle Werke entstanden, zu denen im Laufe der Jahre über 80 Handpressendrucker mit teils nationaler und internationaler Reputation beigetragen hätten, bekräftigte der Stadtchef. Zudem hätten Artur und Jule Schütt wichtige Veranstaltungen wie Druckermessen und die Speyerer Literaturtage maßgeblich geprägt.

Zu den aus Anlass der Verabschiedung überreichten Präsenten zählte ein eigens für diesen Zweck angefertigter Sammelband, in dem sämtliche von den Schütts ausgerichteten Druckerwochenenden zusammengefasst sind und Eger einleitend schreibt: „Mit aufrichtigem Dank für eine große kreative Leistung und den unermüdlichen Einsatz zur Stärkung des Speyerer Kulturprofiles!“

Ihr letztes Druckerwochenende haben die Schütts am 31. März und 1. April ausgerichtet. Die Ergebnisse sind bis September im Typographischen Kabinett zu sehen. Der Übergang in der Verantwortung vollzog sich reibungslos. Federführend ist die städtische Abteilung „Kultur, Marketing und Kommunikation“ unter Leitung von Dr. Matthias Nowack.

Unterstützt wird das Team von den Kunst- und Kulturschaffenden Franz Dudenhöffer (Leiter Städtische Galerie), Professor Frank-Joachim Grossmann (Diplom-Designer), Johannes Doerr (Schriftsetzer/ Bildender Künstler), (Jochen Frisch (Pädagoge/Bildender Künstler) und Gerburg Frisch (Bildende Künstlerin). Weiter dabei bleiben Drucker Karl Herbel und Schriftsetzer Franz Schindler, die dem Ehepaar Schütt bereits in der Vergangenheit eine wertvolle Hilfe waren.

Schon fest terminiert sind die Druckerwochenenden der Saison 2018/2019, bei denen Besucher den Gastdruckern an den jeweiligen Samstagen und Sonntagen von 11 bis 18 Uhr über die Schulter schauen können. Den Anfang macht vom 28. bis 30. September der Engländer Luke Carter.

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