Speyer

Technik Museum Fahrzeug- und Motoren-Fans strömen zum Brazzeltag / Museumschef Hermann Layher steuert smarten Blitzen-Benz

PS-Schönheiten und Giganten

Speyer.Das zweite Wochenende im Mai ist gesetzt im Technik Museum Speyer. An diesem treffen sich Männer und Frauen in ihren zwar nicht fliegenden, aber ordentliche knatternden „Kisten“ – eine Augenweide für diejenigen, die sich für die Majestäten in der Fahrzeuggeschichte interessieren und für die der ohrenbetäubende Motorenklang Musik in den Ohren ist. Selbst ungastliches Wetter am Samstag hielt echte Bewunderer nicht ab.

Die Tore zum Eldorado für PS-Giganten und rollende Schönheiten öffnen sich um 10 Uhr in der Frühe. Da sind die wahren Idealisten bereits unterwegs in Richtung Museumsgelände. Zum achten Mal bereits wird der Brazzeltag ausgerichtet. Er hat sich nicht nur etabliert, er hat eine bemerkenswerte Dimension angenommen. Zu Tausenden pilgern Familien und ganze Fangruppen gen Gelände.

Überall kracht, dröhnt und dampft es bereits parallel zum Einlass der Besucher, die von überall her in die Domstadt kommen. Glücklicherweise haben die Verantwortlichen des Technik Museums reichlich Parkfläche im Umkreis der Veranstaltungsfläche ausgewiesen. Die ist bitter nötig und füllt sich zusehends.

Eigens aus Stuttgart angereist

Zu den frühen Gästen gehören Gernot, Christian, Maik und Reinhard. Das Vierergespann ist extra aus Stuttgart angereist, wie in den vergangenen drei Jahren auch. „Das ist sozusagen der vorverlegte Vatertagsausflug“, sagt Christian und grinst. Er ist, wie seine Kumpels, begeisterter Fahrzeug- und Motorenfan, hat selbst einen Oldtimer in der Garage stehen. „Die Technik begeistert mich“, merkt Christian an und seine Freunde nicken zustimmend. Sie müssen los. Die Dragster warten.

Von Null auf 100 in knapp 0,8 Sekunden kommen die speziell konzipierten Rennwagen. Konzentriertes Hinsehen ist da Pflicht, um nichts zu verpassen. Heiner Loher aus Altlußheim hat die Rheinbrückensperrung umfahren und wartet nun darauf, sich einen Platz in der ersten Reihe zu sichern, um den ultimativen Kick auf vier Rädern zu sehen: „Brutus“. Der schnittige Flitzer sieht harmlos aus, hat es aber faustdick unter der Motorhaube.

Das Fahrgestell eines American La France aus dem Jahr 1907 wurde mit einem Zwölf-Zylinder-Flugmotor von BMW ausgestattet. Hubraum knapp 47 Liter. „An dem kann ich mich nicht satt sehen“, verrät Loher, der auch schon zum vierten Mal die Brazzeltage auskostet. Sein Nebenmann stimmt ihm unvermittelt zu. Heute steigt seine Spannung jedoch wegen einer anderen Legende.

Die steht mittlerweile hinter der Startlinie. Am Steuer: Museumschef Hermann Layher höchstpersönlich. Er lässt es sich nicht nehmen, den smarten, restaurierten Blitzen-Benz selbst zu steuern. Am Strand von Daytona Beach hat der Rennwagen 1911 eine Spitzengeschwindigkeit von 228,1 Stundenkilometer erzielt, ein Rekord, der bis 1919 anhielt. Andreas Müller kennt die Geschichte und erzählt sie mit Begeisterung. Der 40-Jährige wohnt in Karlsruhe und ist – wie die meisten auf dem Gelände – ebenfalls Wiederholungsgast.

Beeindruckende Vielfalt

„Es ist beeindruckend, was hier alljährlich auf die Beine gestellt wird“, lobt er die Vielfalt und die Organisation, die dahintersteckt. Die Mischung macht das Abenteuer tatsächlich aus. Militärfahrzeuge, Vorkriegsbrazzler, American Dreamcars und Lanz-Bulldogs ziehen optisch und akustisch die Blicke auf sich. Das gleiche gilt für Zweiräder von der Schnapsglasklasse – Mopeds bis zu 50 Kubikzentimeter – bis zum grölenden Dragster-Bike.

Selbst ein „geflügelter“ Brazzel-Star geht in die Vollen. Das Transportflugzeug Transall wird von Peter Horsch angeworfen. Erst dreht sich der linke Rotor, dann der rechte, dann drehen beide mächtig auf. Einsatz fürs große „Brazzeln“ in allen Facetten also.

Info: Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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