Speyer

Galerie Kulturraum Zoran Petrovic stellt Skulpturen und Gemälde aus / Udo Pfeiffer präsentiert „farblich brennende Landschaften“

Ratlos im glühenden Oktober

Archivartikel

Speyer.Trotz großem Angebot genießt die Kunst in Speyer nach wie vor einen hohen Stellenwert. Nachhaltig bestätigt wurde das in den zurückliegenden Tagen durch die erfolgreiche Jubiläumsveranstaltung des Kunstvereins am Samstag vor einer Woche und die mit über 100 Besuchern ebenfalls hervorragend frequentierte Ausstellungeröffnung des Stipendiaten beim Künstlerbund am letzten Freitag. Gestern Vormittag schloss sich die Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Zoran Petrovic und Udo Pfeiffer in der Galerie Kulturraum an. Über mangelnden Zuspruch mussten die Galeristen Maria Franz und Anton Bronich ebenfalls nicht klagen. Obwohl Arbeiten beider Künstler, oder vielleicht gerade deshalb, erst vor zwei Jahren bei einer gemeinsamen Ausstellung in der Galerie zu sehen waren.

„Gemälde und Skulpturen“ ist die aktuelle Werkschau betitelt, in der überwiegend farblich brennende Landschaften Pfeiffers und skulpturale Holzfiguren sowie mehrere Gemälden von Petrovic zu sehen sind.

Galeristin Maria Franz wies bei der Vorstellung von Pfeiffer und Petrovic darauf hin, dass beide in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet wurden und in der Branche internationales Ansehen genießen. Die menschenleeren Landschaften Pfeiffers lassen sich in zwei Kategorien einteilen, deren einzige Gemeinsamkeit in der angewandten Mischtechnik besteht. Ansonsten changiert Pfeiffer zwischen dramatischen Natureindrücken und wesentlich ruhiger wirkenden Kompositionen. Titel wie „Herbstglut“, „Glühender Oktober“ oder „Sommerabendlicht“ sind deutliche Hinweise auf energiegeladene Arbeiten mit einer intensiven Farbgebung in Rot und Orange. Sie lassen den Himmel über Pfälzer Landschaftsformationen zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten förmlich erglühen. Ganz anders die Bilder „Morgen an der See“ oder „Stiller Morgen“, in denen Pfeiffer völlig auf dramatische Effekte verzichtet. Mit einer deutlich veränderten Farbwahl befriedigen sie Bedürfnisse nach Ruhe und Harmonie.

Petrovic ist sich sowohl bei seinen Figuren als auch in mehreren Gemälden als Satiriker mit humorvollem Einschlag treu geblieben. Mit Ausnahme der in Acryl auf Leinwand gemalten Bilder „Apfel“ und „Birne“ sowie ihren gleichnamigen skulpturalen Gegenstücken aus farbig patiniertem Zement bestimmen Menschen als übersteigert dargestellte Figuren das Oeuvre des Künstlers. Obwohl überbetont, ermöglichen Körperbau und Mimik deutliche Rückschlüsse auf die künstlerische Botschaft. Während der angebissene Apfel und die ebenfalls mittig erheblich reduzierte Birne sich dem Betrachter nur noch als Fragmente offenbaren, können beispielsweise die skurril geformten Zeitungsleser als überforderte Opfer einer medialen Informationsflut interpretiert werden.

Wissen oder Unwissenheit?

Besonders deutlich wird das in der Rückansicht des „Lesers“, über dessen Kopf und Rücken sich Buchstaben ergießen, wodurch er bewusst oder unbewusst zum Teil der Nachricht wird. Der aus mehreren Figuren bestehende Werkblock wird durch das thematisch gleiche Acryl-Gemälde „Daily News Paper“ ergänzt. Ebenso interessant ist das farbig patinierte und aus sechs übereinander liegenden Büchern bestehende Kunstwerk „T40011“, wobei aus dem oben liegenden Buch der Kopf eines Mannes herausschaut. Neugier oder Ratlosigkeit, Wissen oder Unwissenheit? Auch dazu liefert Petrovic eine Erklärung. Ohne Bildung sei man ein Gefangener seiner Ahnungslosigkeit. Arbeite man sich jedoch konsequent durch literarische Werke hindurch, schließe sich manche Bildungslücke, betont der Künstler. Insgesamt sind etwa 45 Kunstwerke in der bis 7. Oktober dauernden Präsentation zu sehen.

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