Speyer

Umbau Afrakapelle auf der Nordseite des Doms wird bis September umfassend instand gesetzt

Romanische Substanz erhalten

Speyer.Die Afrakapelle auf der Nordseite gehört zur romanischen Bausubstanz des Speyerer Doms. 2017 soll sie innen und außen instand gesetzt werden. Umfangreiche Arbeiten wurden zuletzt in den 1970er Jahren durchgeführt. Bis voraussichtlich Mitte September bleibt die Kapelle aufgrund der Renovierung geschlossen. Die Werktagsgottesdienste werden im Dom gefeiert. Aus diesem Grund schließt der Dom dienstags und freitags für Besichtigungen bereits um 17.30 Uhr statt wie bisher um 19 Uhr.

Außen wird die Fassade der Kapelle inklusive der Dachanschlüsse an die nördliche Seitenschiffwand überarbeitet. Dazu wird die Kapelle mitsamt des Dachs eingerüstet. Im Innern werden die Wandflächen gereinigt und neu gestrichen. Die Innenwände wurden in den 1980er und 1990er Jahren mit Silikat-Dispersionsfarbe gestrichen. Da diese Farbe nur bedingt dampfdiffusionsoffen ist, ist dieser Anstrich vermutlich ursächlich für die hohe Feuchtigkeit in der Kapelle. Der Anstrich wird entfernt und durch einen historisch korrekten Kalkanstrich ersetzt.

Die Sandsteinflächen im Inneren werden gesäubert. Hierzu wurden Reinigungsproben durchgeführt, ein Kalkanstrich wurde in einem Versuchsfeld erprobt. Geprüft werden derzeit noch der Zustand und der Ursprung der Fensterverglasung. Das Domkapitel berät über Vorschläge, den Zugang zur Afrakapelle im Dominnern mit einer neuen Tür zu versehen. Ziel ist es, die Funktion der Kapelle als geschützten Ort des stillen Gebets zu fördern.

Reserviert für stilles Gebet

Die Afrakapelle ist die Sakramentskapelle und für das stille Gebet reserviert. Zu einem besonderen Ort wird sie aber auch durch ihre Geschichte. Sie entstand unter Heinrich IV. Als Patrozinium der Kapelle wählte er die vor allem in Augsburg verehrte Heilige Afra - an deren Gedächtnistag, 7. August, wurde sein Sohn Heinrich V. geboren. Heinrich IV. selbst wurde in der ungeweihten Kapelle provisorisch beigesetzt, da er sich zum Zeitpunkt seines Todes noch im Kirchenbann befand.

Seine Bestattung im Dom wurde erst möglich, nachdem sein Sohn Heinrich V. die Aufhebung des Kirchenbanns erwirkt hatte. Das Begräbnis fand am 7. August 1111 statt. Am gleichen Tag, dem Gedenktag der Heiligen Afra, verlieh Kaiser Heinrich V. der Stadt Speyer umfassende Privilegien.

Baulich ist die Afrakapelle ein Kleinod. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Kapellen des Doms. Ursprünglich war sie gegen Westen und Norden geöffnet, wo sich eine Art Vorhalle, das "Kleine Paradies" befand. Die Öffnungen wurden später vermauert. Die heutige Kapelle hat vier Gewölbefelder, die von 14 zum Teil mit figürlich gestalteten Kapitellen ausgestatteten Säulen getragen werden. Über den Säulen liegt ein reich profiliertes Deckgesims.

In der Wand der Kapelle sind verschiedene Reliefs eingelassen, die sich ursprünglich im Dom oder im nicht mehr erhaltenen Kreuzgang befanden. 1689 wurde die Afrakapelle im Pfälzischen Erbfolgekrieg teilweise zerstört und blieb bis 1850 Ruine. zg

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel