Speyer

Speyerer Dom Sanierung der Vorhalle soll im November abgeschlossen sein

Schätze und Sorgenkinder

Speyer.Ein Fresko des Kirchenmalers Johann von Schraudolph treibt den Restauratoren der Vorhalle des Speyerer Doms Sorgenfalten auf die Stirn. „Sonst kommen die Arbeiten gut voran“, berichtet Dombaumeisterin Hedwig Drabik beim Baustellenrundgang. Seit April saniert das Domkapitel hinter einer weißen Verkleidung Vorhalle, Gewölbe, Reliefs und Skulpturen des Speyerer Wahrzeichens. Rund 890 000 Euro fließen in das Projekt, das im November plangemäß fertig werden soll.

Mit Ausnahme des großen Freskos über dem Hauptportal, das den Meister der Domausmalung knieend zu Füßen der Mutter Gottes zeigt: „Die Vergoldung wirft Blasen und löst sich vom Untergrund. Außerdem haben wir nachträgliche Übermalungen an verschiedenen Stellen gefunden“, erklärt Drabik, warum Schraudolphs letztes Speyerer Werk den Restauratoren solche Schwierigkeiten bereitet. Deshalb sei jetzt schon klar, dass dieses Fresko aus der Gesamtrestaurierung herausgenommen werden muss.

„Das ist an sich nichts Ungewöhnliches“, betont Domkustos Christoph Kohl. Große Sanierungsprojekte, bei denen innerhalb einiger Jahre alles gemacht wird, gehörten der Vergangenheit an. „Inzwischen sehen wir den Domerhalt als fortlaufende Maßnahme, so dass jedes Jahr etwa eine Million Euro in den Bauerhalt fließt.“ Finanziert würden die Projekte aus dem Haushalt des Domkapitels sowie einem Landeszuschuss von 40 Prozent.

Kohl freut sich indes auf den Abschluss der übrigen Sanierung: „Die Vorhalle wird ein echtes Kleinod“, schwärmt der Domkustos. Bislang sei er bei seinen Führungen relativ schnell durch diesen Teil des Bauwerks gegangen, „denn die Figuren waren doch ziemlich verschmutzt und unansehnlich“.

Durch die Reinigung habe man nun auch neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Figuren gewinnen können. So besitzen die Engelsbüsten am Stufenportal einen Holzdübel und waren wohl ursprünglich als Ganzkörperfiguren gedacht. „Das lassen zumindest vertikale Fugen und Überstände am unteren Ende vermuten“, verrät Kohl, der sich über die Gestaltung der Engel besonders freut. Alle seien mit Musikinstrumenten ausgestattet und mit dem Gotteslob beschäftigt. „Sie stimmen die Gläubigen auf den Eintritt in den Dom ein.“

Gewölbe mit Laser gereinigt

Auf der obersten Etage der Baugerüste strahlen dank Laserreinigung Gewölbe wieder in hellem Kalkstein. Darunter warten die detailreichen Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des Königs Rudolf von Habsburg vor einem vergoldeten Hintergrund. Restauratorin Christine Gottschalk verziert nun die Nischen, in denen Skulpturen der ehemaligen Dom-Herrscher stehen, mit Blattgold. „Das sind echte Schmuckstücke“, schwärmt Drabik. 

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