Speyer

Archäologie Vortrag zur Ausstellung „Fundsache Speyer“ beleuchtet Zeugnisse aus über 2000 Jahren

Schätze unter dem Pflaster

Speyer.Geschichte gehört nicht in Kisten verpackt, sondern gezeigt, erforscht und erzählt. Zum Begleitvortrag unter der Überschrift „Wer in Speyer eine Grube gräbt, trifft immer auf Geschichte“ zur laufenden Ausstellung „Fundsache Speyer – Vom Stadtrand bis zum Domplatz“ im Archäologischen Schaufenster kamen zahlreiche Besucher. Die beiden Außenstellenleiter der Landesarchäologie, Dr. Ulrich Himmelmann und Bettina Hünerfauth sprachen gemeinsam mit Grabungstechniker Helmut Stickl über die Zeugnisse 2000-jähriger Stadtgeschichte. Viel gab es zu erzählen, fanden in den vergangenen 28 Jahren doch 43 Grabungen statt.

Die ältesten Funde von Speyer stammen aus der Jungsteinzeit, seitdem lebten praktisch ständig Menschen im heutigen Stadtgebiet. Während die Besiedlung in der Bronze- und der vorrömischen Eisenzeit noch relativ locker war, befand sich ab der Römerzeit, also seit über 2000 Jahren, ohne Unterbrechung eine Stadt an dieser Stelle, lernten die Besucher des Vortrags. Im Umfeld des frühen Militärlagers entstand eine Zivilsiedlung, ein sogenannter Kastellvicus, aus dem sich nach dem Abzug des Militärs um 70 nach Christus die römische Stadt Noviomagus entwickelte. Im Schutz mächtiger, vor 1600 Jahren errichteter Mauern überstand Nemetae, wie die Stadt ab der Spätantike genannt wurde, die unsichere Epoche der „Völkerwanderungszeit“ in der die römische Herrschaft in unserer Gegend nach über 400 Jahren endete.

Boden voller Geschichte

Durch die permanente Besiedlung und die damit verbundene Bautätigkeit türmten sich im Bereich der Speyerer Altstadt in den vergangenen 2000 Jahren archäologische Schichten von bis zu vier Metern Mächtigkeit auf. Diese Stratigraphie besteht ausschließlich aus archäologischen Befunden, die im Boden direkt bis unter das Pflaster der heutigen Altstadt großflächig erhalten sind und damit einen ganz besonderen kulturellen Schatz darstellen, den es zu bewahren und zu erforschen gilt, gaben die Redner zu verstehen. Ausgewählte Fundstücke sind in der Ausstellung „Fundsache Speyer“ zu sehen.

Manche berichten dabei von Ereignissen lokaler Bedeutung, wie zum Beispiel der vielfachen Renovierung eines römischen Gehweges vor einem Wohnhaus in der heutigen Webergasse. Bei anderen handelt es sich dagegen um die Spuren großer historischer Ereignisse wie bei der Brandschicht von 1689, die aus dem pfälzischen Erbfolgekrieg stammt, als die Truppen des französischen „Sonnenkönigs“ die gesamte Pfalz und Kurpfalz verwüsteten.

Allerdings stellen die historischen Schichten unter der Innenstadt auch eine besondere Herausforderung bei der Planung von Bauprojekten jeglicher Art dar: Wegen der hohen Befunddichte und der in logistischer Hinsicht oft schwierigen Umstände sind Grabungen hier häufig komplizierter, teurer und langwieriger als auf dem „flachen Land“. Daher hat die Landesarchäologie ein Frühwarnsystem etabliert: Gemeinsam mit Kreis- und Stadtverwaltungen bei allen Planungsprozessen in archäologisch relevanten Bereichen kommen „Zufallsfunde“ und der damit verbundene „Baustopp“ in der Praxis kaum noch vor. zg

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional