Speyer

Fußgängerüberführung 130 Jahre alte Stahlkonstruktion steht unter Denkmalschutz / Verkehrskreisel am St. Guido-Stiftsplatz steht in der Kritik

Schipka-Pass sanieren – rentiert das?

Archivartikel

Speyer.In der Domstadt wird derzeit viel über Bauvorhaben diskutiert. Zum ohnehin in der Kritik stehenden Großprojekt auf dem ehemaligen Erlus-Gelände mit seinen fünf riesigen Wohnquartieren und dem ebenfalls seit mehreren Jahren in der Diskussion stehenden S-Bahn-Haltepunkt Süd gesellt sich nun ein von vielen Bürgern für überflüssig gehaltener Kreisel an der Kreuzung Wormser Landstraße/Hirschgraben/Petschengasse am St. Guido-Stiftsplatz, die nach Auskunft der Polizeiinspektion Speyer bisher auch kein Unfallhäufungspunkt war.

So habe es dort 2019 keinen einzigen Unfall mit Radfahrerbeteiligung gegeben. Auch in diesem Jahr sei bisher lediglich der Zusammenstoß eines Radfahrers mit einem parkenden Auto protokolliert worden, informiert die Polizei. Außerdem haben Staus an dieser Kreuzung Seltenheitswert. Festzuhalten ist, dass der Platz an sich ja erst 2013 mit erheblichem finanziellem Aufwand neu gestaltet und die dortige Verkehrssituation durch eine neue Straßenführung optimiert worden war. Was da jetzt eine neuerliche Baustelle und Änderung bewirken soll?

Nicht unumstritten ist zudem die geplante Sanierung des Viaduktes am ehemaligen Güterbahnhof, im Volksmund besser bekannt unter dem Namen Schipka-Pass. Die nur von Fußgängern und Radfahrern nutzbare Verbindung zwischen Bahnhofstraße und Burgstraße ist in die Jahre gekommen. Bei einer 2019 erfolgten Prüfung des Bauwerks wurden Schäden am Belag des Gehweges, den Stützfüßen und an Entwässerungsrinnen der 130 Jahre alten Überführung festgestellt.

Mängel und Schäden, die aktuell zwar nur einen geringen Einfluss auf die Verkehrssicherheit des Bauwerks haben sollen, dessen Standsicherheit und Dauerhaftigkeit jedoch beinträchtigen. Da der Analyse zufolge eine Schadenausbreitung und Folgeschädigung zu erwarten ist, hat der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion in einer Sitzung am 6. Oktober einer Sanierung der feingliedrigen Stahlkonstruktion unter Vorbehalt zugestimmt.

FDP spricht von Geldverschwendung

Inzwischen hat die Verwaltung mehrere Varianten der Instandsetzung geprüft. Bevorzugt wird momentan eine vorübergehende Demontage des Viadukts mit Ausbesserungsarbeiten in einem Zwischenlager. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Frühjahr beginnen und rund 30 Wochen dauern. Veranschlagt sind Kosten in Höhe von knapp zwei Millionen Euro.

Das treibt einige Kommunalpolitiker um, die das schlichtweg für Geldverschwendung halten. So erklärte Mike Oehlmann von der Speyerer FDP auf Anfrage, dass die vorhandenen Alternativen in Form der nur 200 Meter entfernten Schneckennudelbrücke und der ebenfalls nahe gelegenen Straßenbrücke in der Oberen Langgasse den Schipka-Pass eigentlich überflüssig machen.

Oehlmann sagt weiter: „Der Aufwand steht nicht im Verhältnis zum Nutzen und meine Partei wird der Sanierung ohne finanzielle Förderung durch das Land nicht zustimmen!“ Der Meinung, dass die Brücke eigentlich nicht gebraucht wird und das Geld besser für andere Dinge verwendet werden sollte, ist auch Michael Neugebauer von der Speyerer Wählergruppe (SWG). Wie Oehlmann weist er auf die Alternativen Schneckennudelbrücke und Straßenbrücke Obere Langgasse hin.

Pro Schipka-Pass plädiert hingegen Axel Wilke von der CDU, der die Sanierung mit der häufigen Nutzung vor allem durch Schüler für gerechtfertigt hält. Fakt ist jedoch, dass die genannten Alternativen den finanziellen Aufwand für die Sanierung des Passes zumindest fragwürdig erscheinen lassen. Das eigentliche Problem scheint zu sein, dass der für Rollstuhlfahrer aufgrund seiner Steigungen und Neigungen ungeeignete Pass offiziell unter Denkmalschutz steht und ein auf Dauer ausgelegter Abriss damit nahezu ausgeschlossen scheint.

Die endgültige Entscheidung über das Sanierungsvorhaben Schipka-Pass fällt nun bei einer Stadtratssitzung am Donnerstag, 29. Oktober.

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