Speyer

Dreifaltigkeitskirche Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung hat die Bildsprache im schönsten Speyerer Gotteshaus analysiert und in ein Buch gefasst

Schramm sorgt für erleuchtete Augen bei uns

Archivartikel

Speyer.In Zeiten von Corona feiert das Lesen von Büchern eine Renaissance – vor allem bei Menschen, die pandemiebedingt die Öffentlichkeit scheuen und lieber zum Buch greifen, als sich auf diversen Web-Seiten im Internet zu tummeln. Insofern kommt dem jetzt bei einem Pressetermin erstmals vorgestellten Buch „Sehen mit erleuchteten Augen – Dreifaltigkeitskirche Speyer“ eine besondere Bedeutung zu. Mit der Entschlüsselung des typologischen Bildprogramms spricht es inhaltlich zwar vor allem theologisch Interessierte an, stellt jedoch in seiner konsequenten Gesamtinterpretation des Gotteshauses auch für Laien eine Bereicherung dar.

Seit den Fernsehgottesdiensten zum Reformationstag 2017 und 2018 ist die 1717 geweihte Dreifaltigkeitskirche einer bundesweiten Öffentlichkeit bekannt. Schon zuvor wurden historische Bedeutung, Baugeschichte und Bilderprogramm des barocken Gotteshauses in zahlreichen Publikationen beschrieben.

In dem nun vorgelegten Werk geht Dr. Steffen Schramm, Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung und Geschäftsführer des Zentrums für theologische Aus- und Fortbildung der Evangelischen Kirche der Pfalz, einen bedeutenden Schritt weiter. Er setzt sich intensiv mit den theologischen Hintergründen des Bildprogramms und dessen Bedeutung für die Kirche undder heutigen Gemeinde auseinander.

Im Vorwort merkt der Autor kritisch an, dass in der einschlägigen Literatur bisher eine historische Sichtweise dominiert. Sie habe aber kaum Augen für das, was in den Kirchengebäuden tatsächlich wichtig sei und dränge Besucher in die Rolle distanzierter Betrachter hinein, wodurch den Gotteshäusern die Gefahr der Musealisierung drohe.

Dieses Buch, so heißt es bei Schramm weiter, nimmt den Schleier des historisierenden Blicks von den Augen und enthüllt Schritt für Schritt das Geheimnis von Raumkomposition und Bildprogramm. Bei Schramm wird die Dreifaltigkeitskirche so gesprächig, quillt über von Gottes Geschichte in lutherisch-orthodoxer Lesart und erzählt wie kaum eine andere Kirche von Gott und der Sehkraft des Glaubens.

Mit 125 Farbfotos überaus reich bebildert, ist das mit Anlagen 224 Seiten umfassende Buch prachtvoll gestaltet, klar gegliedert und zudem mit einem Beileger versehen, der Lesern und Kirchenbesuchern beim Studium des Bildprogramms eine wertvolle Orientierungshilfe sein kann. Die außergewöhnliche Publikation regt dazu an, gedanklich tief in die Materie einzutauchen und sich anschließend auf den Weg zu machen, um den Geheimnissen der Kirche vor Ort nachzuspüren.

Einordnung in die Zeit

Nachdem Schramm auf den ersten Seiten die Entstehungsgeschichte als Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges, den Baustil sowie Lage und Einweihung der Kirche am Reformationstag, 31. Oktober 1717, gestreift hat, geht er ab Seite 20 bezüglich des Bildverständnisses konsequent in medias res.

Mit ausführlichen Erläuterungen versehen wird schnell klar, dass die Dreifaltigkeitskirche mit ihren 16 Deckengemälden, 35 Bilderpaaren auf den Emporen und zehn weiteren Gemälden im Kirchenraum als malerisches Gesamtkunstwerk eine Besonderheit darstellt, die jedem Besucher beim Betreten Ehrfurcht abverlangt und ihn staunen lässt.

Das in einer ersten Auflage von 1500 Exemplaren im Fachverlag Schnell & Steiner erschienene Werk wird der Öffentlichkeit am Samstag, 31. Oktober, 18.30 Uhr, vorgestellt. Einführende Worte spricht Kirchenpräsident i. R. Eberhard Cherdron. Ab dann ist es zum Preis von 28 Euro im Buchhandel, bei der Kirchengemeinde der Dreifaltigkeitskirche und zu den Öffnungszeiten in der Kirche erhältlich. Unterstützt wurde der Druck von der Evangelischen Kirche der Pfalz, dem Bauverein sowie weiteren Institutionen.

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