Speyer

Neues Buch „Stürmische Zeiten“ beim Künstlerpaar Purrmann

Sehr persönliche Einblicke erlaubt

Archivartikel

Speyer.Unter dem Titel „Sehnsucht nach dem Anderen“ erschien im Januar 2019 ein Buch zur Korrespondenz zwischen Hans Purrmann (1880 bis 1966) und Mathilde Vollmoeller-Purrmann (1876 bis 1943), das wir am 23. Januar 2019 in dieser Zeitung vorstellten. Der Untertitel „Eine Künstlerehe in Briefen 1909 bis 1914“ verweist auf jenen Zeitabschnitt, in dem sich die beiden kennen und lieben lernten. 1912 traten sie in den Stand der Ehe ein. Herausgeber des literarischen Werkes mit Schwerpunkt auf die Pariser Jahre von Hans Purrmann an der Académie Matisse waren seinerzeit Maria Leitmeyer, Kunsthistorikerin und Kustodin des Purrmann-Hauses, sowie Dr. Felix Billeter, Kunsthistoriker und Leiter des Purrmann-Archivs in München. Die außergewöhnliche Nachfrage führte nun zur Herausgabe einer zweiten Auflage.

Damit gaben sich die unermüdlich forschenden Leitmeyer und Billeter aber nicht zufrieden und so ist passend zum 30-jährigen Bestehen des Purrmann-Museums in Speyer mit der größten öffentlichen Sammlung an Werken von Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann in diesen Tagen im Deutschen Kunstverlag ein Folgeband mit dem Titel „Stürmische Zeiten“ erschienen. Herausgeber sind wiederum Leitmeyer und Billeter. Sie haben die 236 Seiten umfassende Edition, die mit 103 Briefen aus bisher unveröffentlichten Beständen sowie mehreren Anhängen nahtlos ans Erstlingswerk anschließt, zusammengestellt, kommentiert, mit Begleittexten und Dokumenten versehen sowie bisher unbekanntes Fotomaterial angefügt.

Karin Althaus, Kuratorin der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, würdigt in ihrem Vorwort („Viel zu erzählen, zu lang zum Schreiben“) die Bedeutung der Publikation und rundet den Blick auf das Künstlerpaar ab. Der Folgeband deckt den Zeitraum der Korrespondenz von 1915 bis zum Ableben von Mathilde Vollmoeller-Purrmann im Jahre 1943 ab. Nach Meinung der Herausgeber wird mit der wissenschaftlichen Bearbeitung sowie der Erschließung und Nutzbarmachung des umfangreichen Konvoluts authentischer Quellen ein weiterer Markstein in der kunsthistorischen Forschung der Klassischen Moderne gelegt. „Stürmische Zeiten“ reihe sich somit in wissenschaftliche Publikationen vergleichbarer Künstlerpaare wie Wassily Kandinsky und Gabriele Münter ein, so die Einschätzung von Leitmeyer und Billeter.

Die „Stürmischen Zeiten“ ermöglichen nicht nur sehr persönliche Einblicke in das Leben des bedeutenden Künstlerpaares, das zwar 1912 in Paris heiratete, die Seine-Metropole aber bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 verlassen musste. In ihrer Gesamtheit führen die kommentierten Briefe ein Szenario vor Augen, das von historischen, künstlerischen und persönlichen Umbrüchen geprägt ist. 28 Jahre ist das Zeitfenster geöffnet.

Vielschichtig informiert die Korrespondenz über den Aufschwung von Kunst und Wissenschaft zum Jahrhundertwechsel, sowie die Auswirkungen des Weltkrieges und der Inflation. Sie lässt ferner die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der NS-Zeit lebendig werden, in der Hans Purrmann als entarteter Künstler gebrandmarkt wurde. So schrieb seine Frau Mathilde am 13. November 1935 aus Berlin an ihren unter der Ächtung leidenden und in Florenz weilenden Ehemann: „Lass die Verbitterung nicht überhandnehmen. Suche in eine Arbeit zu kommen. Male in den Uffizien. Grüße von den Kindern.“

Nach zahlreichen informativen Blicken auf wichtige Lebensstationen wie Berlin, den Bodenseeraum, Rom und Florenz schließt das Zeitfenster 1943, dem Todesjahr von Mathilde Vollmoeller-Purrmann. Gefördert wurde das Werk mit dem vollständigen Titel „Stürmische Zeiten – Eine Künstlerehe in Briefen von 1915 bis 1943“ von der Hans-Purrmann-Stiftung, der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung und der Kulturstiftung Speyer.

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