Speyer

Kriminalität Ex-Mitarbeiter in der katholischen Wohneinrichtung Haus Gabriel in Speyer soll zwei Mädchen benutzt haben

Sexueller Missbrauch im Jugendheim

Archivartikel

Speyer.In der Domstadt ist es in einer Wohneinrichtung für bedürftige Kinder und Jugendliche offensichtlich zu mehreren Straftaten gekommen. Über Monate hinweg soll ein angehender Erzieher zwei Mädchen sexuell missbraucht haben. Die Taten spielten sich in einer Außenwohngruppe des Speyerer Hauses Gabriel in der Trifelsstraße in der Südstadt ab. Träger der Einrichtung ist der Katholische Jugendfürsorgeverein für die Diözese Speyer. In der Außenwohngruppe sind Teenager aus schwierigen Verhältnissen „stationär“ untergebracht.

Im August vertrauten sich die beiden Mädchen einer Sozialarbeiterin an, die daraufhin die Gruppenleitung informierte und Anzeige bei der Polizei erstattete. „Wir bearbeiten aktuell ein Ermittlungsverfahren“, bestätigt dann auch Thorsten Mischler auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Pressestellenleiter des Polizeipräsidiums in Ludwigshafen präzisiert dies so: „Es geht um den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen.“ Die Beamten würden derzeit Zeugen vernehmen. Im Kommissariat gehe man davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handle, der keine Unterstützung durch eine Gruppe und auch keinen Mittäter hatte. Weitere Informationen bestätigt die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt nicht, da es sich um ein schwebendes Verfahren handle.

Gravierendes Fehlverhalten

Gabriele Becker vom Vorstand der Trägerorganisation, verschickt nach der Anfrage dieser Zeitung dann auch eine Pressemitteilung, die die Vorgänge bestätigt. „Nachdem wir Anfang Juli Kenntnis vom gravierenden Fehlverhalten eines Erziehers in Ausbildung erhielten, haben wir unmittelbar reagiert“, schreibt sie in der Mitteilung. Der betreffende Auszubildende, der nach Informationen dieser Zeitung in der Vergangenheit eine gewisse Nähe zur Speyerer Drogenszene hatte, habe eine außerordentliche Kündigung erhalten. Er sei mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.

Den Opfern habe man seither vielfältige Gesprächs- und Entlastungsangebote gemacht, heißt es weiter. Auf Wunsch erhielten sie auch weiterhin Hilfe von Psychologen und anderen Fachkräften. Ihr sei daran gelegen, die betroffenen Mädchen so gut wie möglich zu schützen, sagt Becker. Jugendämter und weitere Institutionen seien über die Vorgänge in Kenntnis gesetzt worden.

Neben dem Missbrauch der Mädchen soll der Betreuer auch noch für andere Straftaten in der Einrichtung verantwortlich sein. So berichteten mehrere Jungs, die dort wohnen, in späteren Gesprächen wohl davon, dass der Betreuer sie regelmäßig mit Alkohol und Drogen versorgt habe.

Erzieher inzwischen freigestellt

Polizeisprecher Thorsten Mischler weiß um die Brisanz des Falles: „Das sind immer sehr sensible Themen.“ Gerade, wenn es darum gehe, dass eine Person der anderen anvertraut sei, führten solche Taten immer zu großen öffentlichen Diskussionen.

Das Haus Gabriel bietet nicht nur ambulante, sondern auch stationäre Hilfen an; insgesamt stehen 60 Plätze zur Verfügung, vom Kernhaus in der Großen Pfaffengasse über Mutter- und Kind-Gruppen, Betreutes Wohnen oder der Inobhutnahme. In den Gruppen gestalte das Jugendwerk die Lebenswelt von jungen Menschen. Ihre Darstellung im Internet passt im Licht der aktuellen Ereignisse nur noch schlecht zur Realität: „Hier können die Schützlinge in einem Klima des Vertrauens und der Annahme ihr Leben trainieren, persönlich und familiär reifen und Kraft für den schulischen und persönlichen Werdegang tanken.“

Der verdächtige Mitarbeiter wurde von der Leitung des Hauses umgehend freigestellt. Leiterin Petra Kindsvater war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie befinde sich derzeit im Urlaub. Gabriele Becker bestätigt aber, dass Petra Kindsvater sich im kommenden Jahr „neuen Herausforderungen außerhalb von Rheinland-Pfalz“ stelle. Mit dem aktuellen Fall habe ihr Perspektivenwechsel aber nichts zu tun.

Das Jugendheim kam indes lange nicht zur Ruhe: So habe es Drohanrufe bei den Betroffenen gegeben, an mehreren Fahrrädern seien Reifen aufgestochen und vor den Fenstern der Wohngruppe Grablichter aufgestellt worden. Mittlerweile hätten die Vorfälle aufgehört.

„Herr des Verfahrens“ ist nun die Staatsanwaltschaft Frankenthal. Die Ermittlungen, so erklärt der Polizeisprecher, würden in enger Abstimmung erfolgen. Eine Anklageerhebung steht noch aus.

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