Speyer

Jesuitenkolleg Daniela Blum referiert über Gegenreformation

Sie waren gebildet, eloquent und hatten keine Angst

Archivartikel

Speyer.Das Domkapitel holte die Jesuiten 1566 als Prediger und zum Aufbau eines katholischen Schulwesens nach Speyer. Bereits 1541 und 1542 war Petrus Faber, einer der Gründungsgestalten des Jesuitenordens und 2013 von Papst Franziskus heiliggesprochen, in der Stadt zu Gast.

"Wie alle Verantwortlichen des Jesuitenordens sah er das zentrale religiöse Problem der Altgläubigen nicht im Protestantismus, sondern in der seelsorgerischen Krise seiner eigenen, der katholischen Kirche", erzählte Dr. Daniela Blum, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für mittlere und neuere Kirchengeschichte in Tübingen, bei der Abendveranstaltung des Forums Katholische Akademie im Friedrich-Spee-Haus, wie es in einer Pressemitteilung des Bistums Speyer heißt.

Die Antwort war eine Bildungsoffensive, die in Speyer auf fruchtbaren Boden fiel. Waren es 1574 noch 100 Schüler, die das Jesuitenkolleg besuchten, hatte sich die Zahl sechs Jahre später mehr als verdoppelt, heißt es weiter in der Mitteilung.

Der lutherische Rat der Stadt Speyer betrachtete den Erfolg der Jesuiten mit Argwohn. "Der lutherische Rat wehrte sich gegen das Vorhaben, mithilfe der Jesuiten den Katholizismus in der Stadt zu stabilisieren", erklärte Blum. Die Jesuitenpatres waren gebildet und eloquent und betraten ohne Angst den öffentlichen Raum. Das wirkte gerade auf die Jugend ungeheuer attraktiv. Hatte der lutherische Rat zunächst geglaubt, der Katholizismus werde sich schon bald von selbst erledigen, markiert das Wirken der Jesuiten einen Wendepunkt, mit dem das katholische Leben in Speyer neue Kraft gewann.

Im Erbfolgekrieg zerstört

Eine Unterbrechung erfuhr das Wirken der Jesuiten durch den pfälzischen Erbfolgekrieg - 1689 wurde das Kolleg ein Opfer des großen Stadtbrandes. Zwischen der Stuhlbrudergasse und dem Domgarten errichteten die Gläubigen nach Kriegsende ein neues Kolleg. Mit der Auflösung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. im Jahr 1773 endete auch die Geschichte des Jesuitenkollegs in Speyer.

Heute erinnert eine Gruft unter der Stuhlbrudergasse an das Wirken des Jesuitenordens in Speyer. Die Grabstätte wurde während der Französischen Revolution geplündert, von den Knochen der Verstorbenen fehlt jede Spur. Bei Kanalisationsarbeiten im Jahr 1925 wurde die Gruft mit den rund 30 Grabkammern wiederentdeckt. zg

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