Speyer

Diakonissen Bildhauer Wolf Spitzer kreiert Büsten von Theodor und Friederike Fliedner

Skulpturen der Gründer bei Festakt enthüllt

Archivartikel

Speyer.Anlässlich des im nächsten Jahr anstehenden Jubiläums „160 Jahre Diakonissen in Speyer“ erinnerten die Diakonissen Speyer-Mannheim am Reformationstag an das Gründerehepaar aus Kaiserswerth. Bei der Feierstunde im Festsaal des Mutterhauses wurden zwei zu diesem Anlass geschaffene Büsten des Speyerer Bildhauers Wolf Spitzer vorgestellt.

Mit der Wahl Spitzers hatten die Auftraggeber einen guten Griff getan. Vertraut mit der Historie der Diakonissen, sind die Plastiken bronzegewordene Abbilder von Pfarrer Theodor Fliedner und seiner Frau Friederike.

Möglich wurde dies durch intensives Studium und gedankliches Eintauchen des Künstlers in Schrifttum und Fotos der Fliedner-Kulturstiftung in Kaiserswerth. Zeugnis davon legen nun die beiden Büsten ab. Sie zeigen einen charismatischen Pfarrer, dessen Persönlichkeit, seine Präsenz und Agilität hervorragend zum Ausdruck kommen. Gleiches gilt für die Ehefrau, deren Züge Spitzer lediglich mit Hilfe einer Zeichnung formen konnte. Mit Haube und Schleier ausgestattet, lässt die Physiognomie Friederikes auf Sanftheit, Klugheit und seelsorgerische Fürsorge schließen. Im Festsaal des Mutterhauses, der nach den beiden Vorbildern in „Fliedner-Saal“ umbenannt wurde, erinnern die Plastiken nun dauerhaft an die Gründer der Mutterhausdiakonie.

Zum Festakt hatte Oberin Isabelle Wien Repräsentanten aus dem weltlichen und kirchlichen Bereich sowie weitere Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft willkommen geheißen. Auf die Grundlagenarbeit der Diakonie eingehend, unterstrich die Oberin die Verlässlichkeit von Menschen für die Gesellschaft.

Referat zur Tradition

Kirchenpräsident Christian Schad referierte zur Diakonissentradition und ihrer aktuellen Bedeutung in der Gegenwart. Dabei stellte er die Würde und Nachhaltigkeit der Diakonischen Arbeit besonders heraus. Bezugnehmend auf das Lebenswerk der Eheleute Fliedner merkte er an, dass beide Ehepartner ihren Dienst im Zeichen des Kreuzes versehen hätten. „In diesem Sinne verstehe auch ich unsere Evangelische Diakonissenanstalt als Anwalt und Wahrzeichen für das vorbehaltlose Ja von Gott zu allen Menschen“, bekräftigte Schad. Details zu den Büsten vermittelten die Kunsthistorikerin Maria Leitmeyer und Galerieleiter Franz Dudenhöffer. Übereinstimmend erklärten sie, das es Spitzer hervorragend gelungen sei, die Wesenszüge von Theodor und Friederike Fliedner in Plastiken einzufangen, die eine Rückbesinnung auf das Lebenswerk dieser prägenden Personen dokumentierten. Spitzer selbst ließ wissen, dass ihn die Wucht des Mannes und die mitgestalterischen Elemente der Ehefrau fasziniert hätten. Die vom hochbegabten 15-Jährigen Musiker Leon Zimmermann mit Instrumentalstücken am Klavier begleitete Veranstaltung klang mit den Schlussworten von Pfarrer Dr. Günter Geisthardt aus. Der Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim sagte, mit der Umbenennung des Festsaales in „Fliedner-Saal“ wolle man nicht nur an die eigenen Wurzeln erinnern, sondern mit dazu beitragen, das kulturelle Gedächtnis zu bewahren.

In den 1830er-Jahren war Deutschland von einer schweren Wirtschaftskrise betroffen. In Zeiten sozialer Not waren die Zustände in den damaligen Krankenanstalten meist katastrophal, worunter vor allem verarmte, alte und behinderte Menschen sowie Kinder zu leiden hatten. Entsetzt von diesen Bedingungen, entwickelten Pfarrer Theodor Fliedner (1800 bis 1864) und seine Ehefrau Friederike (1800 bis 1842) die Idee des Diakonissen-Mutterhauses. 1836 gründeten sie in Kaiserswerth bei Düsseldorf die erste Evangelische Diakonissenanstalt.

Leitfigur der Schwesternschaft

Friederike, die ihrem Mann unermüdlich bei seiner seelsorgerischen und diakonischen Arbeit assistierte, wurde als erste Vorsteherin zur Leitfigur der Schwesternschaft. Das Engagement des Ehepaares führte in der Folge zu einer deutlichen Verbesserung in der Patientenpflege. Die Idee verbreitete sich sukzessive in Deutschland und schon bald waren in vielen Städten evangelische Schwestern seelsorgerisch tätig.

In Speyer haben Diakonissen ihre Arbeit mit der Gründung der Evangelischen Diakonissenanstalt Speyer im Jahre 1859 aufgenommen. Den Bau des heutigen Mutterhauses im Jahre 1885 ermöglichte der in den Vereinigten Staaten zu Wohlstand gekommene Speyerer Bürger Heinrich Hilgard. 25 Jahre später entstand eine vergleichbare Arbeit der Diakonissen in Mannheim.

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