Speyer

Literaturfestival Anne Weber und Saša Stanišić lesen in der Domstadt / Programm mit Wow-Effekt

Speyer.Lit mit Stars des Deutschen Buchpreises

Speyer.„Noch wissen wir nicht, welche Einschränkungen und Hygienekonzepte uns Corona im neuen Jahr für Kulturveranstaltungen auferlegen wird, aber wir gehen fest davon aus, dass die literarische Reihe Speyer.Lit auch 2021 stattfinden kann“, werden Kulturbürgermeisterin Monika Kabs und Fachbereichsleiter Matthias Nowack in einer Pressemitteilung zitiert. Man habe ganz bewusst größere Räumlichkeiten ausgewählt, um bei den im Februar und März stattfindenden Lesungen die AHA-Regeln einhalten zu können, heißt es beim Pressegespräch.

Insgesamt acht Veranstaltungen stehen auf dem Programm des Literaturfestivals, das vom 1. Februar bis 18. März im Alten Stadtsaal und in der Dreifaltigkeitskirche stattfinden soll. Dabei sei es erneut gelungen, große Namen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur in die Domstadt einzuladen. Erstmals ist auch die Verleihung des Arno Reinfrank-Literaturpreises in die Reihe integriert und wird von einem „Dead or Alive“-Poetry-Slam begleitet. In bewährter Zusammenarbeit mit den vier Speyerer Buchhandlungen Spei’rer Buchladen, Osiander, Oelbermann und Fröhlich hat das Kulturbüro der Stadt ein spannendes Programm zusammengestellt.

Zum Auftakt der Reihe am Montag, 1. Februar, 20 Uhr, kommt Anne Weber in den Alten Stadtsaal. Sie ist mit ihrem Buch „Anette, ein Heldinnenepos“ gerade mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Weber erzählt darin die Lebensgeschichte der Anne Beaumanoir, geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille und 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements aufseiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung. Sie ist noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Epos.

Am Dienstag, 9. Februar, 20 Uhr, wird Bov Bjerg in der Dreifaltigkeitskirche seinen aktuellen Roman „Serpentinen“ vorstellen, eine Familiengeschichte von Vater und Sohn, die zu den Schauplätzen der Kindheit des Vaters führt. Ständiger Reisebegleiter ist das Schicksal der männlichen Vorfahren, die sich allesamt das Leben nahmen: „Urgroßvater, Großvater, Vater – ertränkt, erschossen, erhängt.“ Der Vater muss erkennen, dass sein Wegzug, seine Bildung und sein Aufstieg keine Erlösung gebracht haben. Bjerg gehört zu den wichtigsten Schriftstellern der deutschen Gegenwartsliteratur. Nach dem Bestseller „Auerhaus“, der für viele Theaterbühnen adaptiert wurde und dessen Verfilmung erfolgreich in die Kinos kam, legte er 2020 diesen neuen Roman vor.

Saša Stanišić will am Dienstag, 23. Februar, 20 Uhr, in der Dreifaltigkeitskirche aus seinem Roman „Herkunft“ lesen, der 2019 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. „Herkunft“ ist ein fulminanter Roman über die alte und neue Heimat – also über Bosnien-Herzegowina und Deutschland. Er floh mit seiner Familie im Alter von 14 Jahren vor dem Bürgerkrieg und lebt heute in Hamburg.

Tags drauf, am Mittwoch, 24. Februar, 20 Uhr kommt Monika Helfer mit ihrer „Bagage“ in den Alten Stadtsaal. Sie hat eine berührende Geschichte über Herkunft und Familie geschrieben. Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des Ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters – in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin.

Es folgen Lesungen mit Ewald Arenz am Mittwoch, 3. März, und Lola Randl am Montag, 8. März, im Alten Stadtsaal. Arenz erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, treffen dabei aufeinander. Lola Randl hat den ersten deutschen Roman zur Corona-Pandemie vorgelegt. „Die Krone der Schöpfung“ ist eine fröhlich hypochondrische Geschichte über unsere neue Normalität in Zeiten von Covid-19.

Poetry Slam und Preisverleihung

Zur Verleihung des Arno-Reinfrank-Literaturpreises gibt es gleich zwei Veranstaltungen. Zu Ehren und im Andenken an den Schriftsteller, Übersetzer und Publizisten Arno Reinfrank wird am Mittwoch, 17. März, ab 19 Uhr, am Vorabend der Verleihung des Preises ein Poetry-Slam stattfinden. Reinfranks Texte treten für einen Abend mit denen von Slammern in den fröhlichen Wettstreit. Der Gewinner wird so oder so die Literatur, die Poesie sein.

Am Donnerstag, 18. März, um 19 Uhr, wird der in Kaiserslautern lebende Autor Tijan Sila im Alten Stadtsaal für seinen Roman „Die Fahne der Wünsche“ mit dem Literaturpreis 2021 ausgezeichnet (wir berichteten). zg/Bilder: Greve/Von ForisSämann/Ohlbaum/

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