Speyer

Geschichte Grabungen fördern neue Erkenntnisse zum jüdischen Leben in Speyer zutage

Spurensuche im Stadtboden

Speyer.Wer in der Innenstadt in die Tiefe geht, darf sich nicht wundern, wenn Landesarchäologie und Landesdenkmalpflege die Bodenarbeiten beobachten und Grabungen anordnen. Von der aktuellen Ausgrabung an der südlichen Grenzmauer des Judenhofs machte sich jetzt der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf ein eigenes Bild.

Die Erkenntnisse über das jüdische Leben im mittelalterlichen Speyer, die die Wissenschaftler bei der viermonatigen Grabung gewannen, tragen nach Überzeugung von Jung und auch von Bürgermeisterin Monika Kabs zur Untermauerung des Welterbeantrags "SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz" bei (siehe Infobox).

Ausgelöst hat die bauhistorische Untersuchung der Anbau einer Feuerleiter an das benachbarte Bistumsarchiv, das einst die Pilgerdruckerei beheimatete. Die untersuchte Mauer, die zum Abschluss komplett sanieret wird, umgrenzt nach Süden den inmitten des Viertels gelegenen Judenhof, der früher mit den beiden Synagogen und der Mikwe das Zentrum des jüdischen Lebens bildete.

Großes Ritualbad

Die Wissenschaftler kamen unter anderem zur Erkenntnis, "dass die Mauer zu SchUM-Zeiten erbaut wurde" und die Ausstattung des Ritualbades größer gewesen sein muss als die nun im Judenhof zu besichtigende Mikwe, so Ulrich Himmelmann. Der Leiter der Außenstelle Speyer der Direktion Landesarchäologie zeigte zusammen mit Mitarbeiterin Jutta Hundhausen, dass rund zwei Meter tief in der Erde sechs kleine spitzgeschlossene Nischen verborgen sind. Darunter befindet sich die Spolie eines Wandputzes mit wertvoller Fugenmalerei in Gestalt einer Sockelquaderung. Bis zum Pfälzischen Erbfolgekrieg stand hier offenbar ein Wohngebäude, dessen Kellerräume jetzt im Bereich des geplanten Fluchttreppenhauses für das Bistumsarchiv entdeckt wurden. Historische Stadtpläne zeigen an dieser Stelle später barocke Gärten. Diese Situation geht höchstwahrscheinlich auf die Stadtzerstörung von 1689 und eine anschließende Planierung zurück. Seit der Römerzeit haben sich hier archäologische Schichten von etwa vier Meter Mächtigkeit angehäuft, erläuterte Himmelmann.

Da die Mauer aus mehreren alten Abschnitten besteht, werden die aktuellen Forschungen nicht alle Fragen nach dem mittelalterlichen Leben beantworten können. Die Arbeiten finden in enger Kooperation mit dem Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg und anderen Forschungseinrichtungen statt. ws

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