Speyer

Amüsantes Buch Der Speyerer Musiker Udo Sailer hat seine schönsten Erlebnisse aufgeschrieben

Tastenmann als Musik-Hure

Speyer/Schwetzingen.So wie der Titel des Buches „Die Musik-Hure“, so ist auch der Inhalt – voller Selbstironie und nicht für Schöngeister gemacht. In der Musikszene der Kurpfalz gibt es wohl niemanden, der Udo Sailer nicht kennt. Der 64-jährige Speyerer begleitet am Keyboard oder Klavier die Größen des nationalen und internationalen Showgeschäfts ebenso wie die Sessions der Schwetzinger Jazzinitiative oder regionale Bands wie die „Notärzte“ oder die „NSA Band“. Und egal, was auf der Bühne passiert, er achtet darauf, das alles im Takt bleibt und wenn mal einer einen Fehler macht, dann lächelt die bärtige Wuchtbrumme einfach alles sanft weg.

Schön, dass er jetzt seine Erlebnisse mit Stars und Sternchen, in der Westfalenhalle oder auf dem Kreuzfahrtschiff, mal aufgeschrieben hat – einfach und ungeschminkt, es ist, als säße man mit ihm in der Kneipe und er würde erzählen.

In Dortmund sollte er Caterina Valente und Gunter Gabriel begleiten. Als Erstere die „Maria“ aus der Westside-Story sang, war Udo allein mit ihr auf der Bühne, die Techniker warfen eine Nebelmaschine an – und einen Ventilator, der seine Noten wegzuwehen drohte. Sailer rief ihnen zu: „Aus – aus!“ Aber die schalteten satt des Ventilators den Monitor aus, in dem er eigentlich Caterina hören sollte. Das Chaos war perfekt. Aber es kam noch schlimmer, denn Gunter Gabriel hatte keine Noten, allenfalls Notizzettel dabei. Seinen Hit „30-Tonner-Diesel“ hatte man zwar schon mal im Radio gehört, aber nie selbst gespielt. „Es muss sich grottig angehört haben“, meint Sailer. Denn damals gab es weder Handy, noch Noten und Texte per Mail auf den Bildschirm. Und Playback war unter richtigen Musikern komplett tabu.

Oder die Episode mit Roberto Blanco, mit dem er auf Mallorca gastierte: „Als eine brasilianische Tänzerin mit fast nichts an auf die Bühne kam, brachte das das Orchester so durcheinander, dass Roberto sich umdrehte und sagte: Ihr sollt spielen, nicht gucken.“ In Hamburg beim Tuntenball war die Mannheimerin Joy Fleming als Hauptact zu Gast. Zuerst habe sie die Tunten gefragt, ob man hier auf dem Friedhof sei. Und zum Schluss, als der ganze Saal stand und tobte, kündigte sie ungeprobt „Oh Darling“ von den „Beatles“ an und sagte zu Sailer und den anderen Jungs in breitestem Dialekt: „Hänn er des druff? Des schääne Lied wärd viel zu wennisch geschpielt. Auf geht’s!“

Wie Udo Sailer von den Sinti den Jazz gelernt hat und warum er den Sommersprossen von Chaka Khan so nahe gekommen ist, steht auch in seinem Buch.

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