Speyer

Städtische Galerie Einprägsame Gipsporträts und Bronzen bedeutender Persönlichkeiten zu sehen

Thomas Duttenhoefer begibt sich auf Zeitreise

Archivartikel

Speyer.Seinen 70. Geburtstag konnte Thomas Duttenhoefer bereits im Februar feiern. Nun widmen ihm die Städtische Galerie und der Kunstverein eine Jubiläumsausstellung, die all das enthält, was den renommierten Künstler in der Vergangenheit ausmachte und in der Gegenwart immer noch ganz typisch für ihn ist.

Die imponierende und gewichtige Werkschau mit Arbeiten aus fünf Jahrzehnten wird vom Samstag, 29. August, bis Sonntag, 25. Oktober, im Kulturhof Flachsgasse präsentiert. Eine öffentliche Vernissage findet wegen Corona nicht statt. Ganz ohne Auftakt kommt eine derart bedeutende Ausstellung dennoch nicht aus. Am Freitagabend treffen sich im Außenbereich geladene Gäste, zu denen Freunde, Galeristen, Sammler und weitere Repräsentanten aus dem Kunstbereich zählen. Sie werden von Bürgermeisterin Monika Kabs begrüßt. Über den Künstler und seine Kunstwerke spricht der Darmstädter Galerist Claus K. Netuschil, der Thomas Duttenhoefer seit vielen Jahren vertritt.

Eigentlich ist es müßig, biografische Daten und künstlerische Höhepunkte eines Mannes zu beschreiben, dessen Kunstwerke zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland bereicherten und dessen Skulpturen Blickfang im Straßenbild vieler Städte sind. Mehrfach ausgezeichnet, überzeugt der gebürtige Speyerer und seit Langem auf der Darmstädter Rosenhöhe lebende figurative Bildhauer und Zeichner immer aufs Neue mit seinen markanten Arbeiten. Mit der Fertigung einer ganzen Reihe von einprägsamen Bronze- und bemalten Gipsporträts bedeutender Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie Marcel Reich-Ranicki, Mario Adorf oder Jimmy Hendrix stieg der Purrmann-Preisträger in den Olymp der momentan bedeutendsten Porträtbildhauer auf.

Exponate auf zwei Etagen

Die Jubiläumsausstellung wird von Themenbereichen bestimmt, die den 2015 emeritierten Hochschulprofessor schon immer faszinierten. Mit den Porträtdarstellungen, ausdrucksstarken figurativen Exponaten, mythologisch geprägten Zeichnungen und Objekten sowie kritischen Zeitstudien ermöglicht sie auf zwei Etagen einen umfassenden Überblick über das Schaffen eines außergewöhnlichen Künstlers, der sein Wissen nach dem Studium der Bildhauerei und Malerei auch auf Studienreisen durch Europa, Marokko und Ägypten vertiefte.

Die Zeitreise durch fünf Jahrzehnte beginnt mit Aktzeichnungen aus den 1970er Jahren, in zarter Linienführung mit Kreide festgehalten auf Papier. Aus jener Zeit stammt auch die künstlerische Auseinandersetzung mit der realen Welt, sichtbar gemacht in Zeichnungen und Skulpturen aus Bronze, deren Umsetzung auf intensiven Studien in Altenheimen und Schlachthäusern basieren. Dem aufgebrochenen Stierkörper im Schlachthaus schließt sich nahtlos eine skulpturale Choreographie des Todes und Auseinandersetzung mit anderen Kulturen an, die auf den Erfahrungen bei Stierkämpfen in Andalusien beruht. Obwohl die Neugier des Künstlers vor der Gegenwart nicht Halt macht, wird die Ausstellung fraglos von mythologischen Themen beherrscht – einige Werke sind in Lebensgröße zu sehen.

Dazu gehören Mischwesen wie die Sagengestalt des Kraftpaketes „Minotaurus mit Beute“ in Eisen und Bronze, der gehörnte mannshohe Wald- und Weidengott Pan mit Flöte und die aus Homers „Odyssee“ bekannte Vogelfrau „Sirene“, die mit ihrem Gesang zwar keine vorüberfahrenden Seeleute betören kann, aber für Besucher der Ausstellung allemal ein Erlebnis sein dürfte.

Gleiches gilt für den Waldfrevler „Erysichthon“, dessen unersättlicher Hunger darin gipfelte, dass er sich selbst auffraß. Mit dieser in Eisen zum Ausdruck kommenden Metapher will Duttenhoefer ein Zeichen gegen die Zerstörung der Natur und gegen die Abholzung der Regenwälder setzen. Botschaften aus der Sagenwelt enthalten ferner mehrere Kohlezeichnungen auf Leinwand und Reliefs aus Eisen mit Darstellungen auf der Vorder- und Rückseite.

Die ungebrochene Schaffenskraft des Künstlers schlägt sich in zwei Werkstücken mit dem Titel „Last des Amtes“ nieder. Dabei handelt es sich um Bischöfe, von denen einer in Agonie verharrt und der andere durch austauschbare Kopfbedeckungen wechselnde Bedeutung erhält.

Bei der unter Federführung der Städtischen Galerie und ihrem Leiter Franz Dudenhöffer gemeinsam mit dem Künstler konzipierten Präsentation kann neben den ausgestellten Exponaten eine Mappe mit zehn 30 mal 40 Zentimeter großen Radierungen und einer Bronzeplakette für 900 Euro erworben werden.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional