Speyer

Städtische Galerie Thomas Brenner zeigt wohlüberlegt inszenierte und berührende Fotografien

Tod in vielerlei Formen

Speyer.„Krieg und Frieden, Tod und Leben, Aggressionen, Gewalt und menschliche Dramen“ – all das spiegelt sich in den Fotografie-Installationen des Diplom-Kommunikationsdesigners Thomas Brenner wider, mit denen die Städtische Galerie im Kulturhof Flachsgasse ein Thema aufgegriffen hat, das in vielen Teilen der Welt traurige Realität ist. Gezeigt wird die Werkschau unter dem eher verharmlosenden Titel „Inszenierte Photographien“. Sie bildet jedoch ein Spektrum ab, das entsprechend einiger Bildtitel treffender als „Letzte Inszenierung“ bezeichnet werden könnte.

Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine Präsentation von außergewöhnlicher Eindringlichkeit, in der Konzeption, fotografisches Können und technische Umsetzung eine Einheit bilden. Brenner zeigt nicht einfach nur Fotos, auf denen Personen oder Landschaften zu sehen sind. Jedes Foto gleicht einer Theaterinszenierung, auf der Berge, Wälder, Fabriken, Gärtnereien oder andere verlassene Orte wie ein Flugplatz die Bühne für menschliche Protagonisten bilden, die – maskentragend und in weite Mäntel oder eng anliegende Ganzkörperanzüge gehüllt – als Individuen nicht erkennbar sind.

Distanz zum Betrachter

Bedingt durch die an Maschinenwesen erinnernden und oft nur silhouettenhaft eingefangenen Personengruppen wirken die Szenerien der überwiegend 95 mal 126 Zentimeter messenden Kunstwerke oberflächlich betrachtet sehr unterkühlt. Obwohl sie dadurch eine gewisse Distanz zum Betrachter aufbauen, können sie emotional niemanden unberührt lassen. Dazu sind die Darstellungen einfach zu eindringlich. Wie könnte es auch anders sein, wenn einem allerorten der Tod in irgendeiner Form begegnet, die für Besucher im Verfassen eines letzten Wunsches auf einer bereitgestellten Tafel und dem Probeliegen in einem Sarg gipfelt.

Davon sollte sich jedoch niemand abschrecken lassen. Mit einem hohen zeitlichen und personellen Aufwand hat das in Kaiserslautern lebende Mitglied der „Deutschen Fotografischen Akademie“ seine Arrangements ausgestaltet. Teilweise wird der Besucher mit ganzen Handlungssträngen konfrontiert, die eigene Interpretationen förmlich herausfordern. Desillusionierend das Bild „Krieg und Frieden XIV“, das an die Schrecken von Schlachtfeldern erinnert und auf dem geisterhafte Gestalten mit Gasmasken und Schwertern nach „getaner Arbeit“ scheinbar zum Totentanz einladen.

Weitere Inszenierungen zeigen Menschen als Brandstifter im Wald oder als Teilnehmer zweier Exekutionskommandos, die sich frontal gegenüberstehend selbst ins Visier nehmen. Brenner macht aber auch Hoffnung. So hat er in einem leeren Treibhaus Grassamen ausgesät und das Gras in menschliche Körperformen geschnitten, um so werdendes Leben symbolhaft darzustellen. Zusammenfassend zeigt Brenner verstörende Fotografien, mit denen er aber keine Grenzen überschreitet, sondern sich analytisch und ohne Schönfärberei einem oft verdrängten Thema widmet, was der bis 16. Juni zu sehenden Ausstellung einen besonderen Stellenwert verleiht.

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