Speyer

Jüdische Kultusgemeinde Erste Ehrenmedaille für Ex-Oberbürgermeister Werner Schineller

„Treibende Kraft“ für den Bau der Synagoge

Speyer.Als „treibende Kraft“ und „energiegeladener Motor“ hat sich Werner Schineller für den Neubau der Synagoge Beith Schalom nach Überzeugung der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz große Verdienste erworben. Der damalige Oberbürgermeister wurde mit dieser Begründung in einer Feierstunde im Gemeindesaal der Synagoge am Weidenberg vom Vorstandsvorsitzenden Israel Epstein mit der ersten Ehrenmedaille der Jüdischen Gemeinde ausgezeichnet. Zu Schineller gewandt erklärte Epstein: „Wir werden Sie immer in dankbarer Erinnerung behalten.“

Den guten Besuch der Ehrungsfeier im Gemeindesaal wertete Geschäftsführerin Marina Nikiforova als Zeichen der hohen Wertschätzung Schinellers, der von Januar 1995 bis Dezember 2010 Oberbürgermeister war. Sowohl sein Amtsnachfolger Hansjörg Eger als auch dessen Nachfolgerin Stefanie Seiler waren gekommen.

Mit zum Teil sehr persönlichen Erfahrungen und Gedanken sprachen Alisa Erlich, die Frau des kurz vor dem Synagogenbau verstorbenen Geschäftsführers Manfred Erlich, und Milly Kindermann dem Geehrten ihren Dank aus. Letztere zeigte sich „stolz auf meinen Mann“ und erfreut darüber, dass ein Portrait des früheren Geschäftsführers Harry Kindermann für die Ehrenmedaille ausgewählt wurde.

Gedenken nach Speyerer Vorbild

Höchste Anerkennung zollte auch Eberhard Dittus, Leiter der Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt, dem damaligen OB für die Einrichtung der jährlichen Gedenkfeiern, die zum 27. Januar von Schülern und kirchlichen Organisationen zur Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee im Jahr 1945 lange Jahre (seit 1996) in der Heiliggeistkirche und jetzt zum fünften Mal im Saal der Synagoge gestaltet wurden. Solche Gedenkveranstaltungen würden inzwischen in Neustadt „nach dem Speyerer Konzept“ durchgeführt.

Mit einem Zitat aus der „bewegenden Rede“ von Saul Friedländer, die dieser bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages am 31. Januar gehalten hat, begann Werner Schineller seine Dankesworte: „Antisemitismus ist nur eine der Geißeln, von denen jetzt eine Nation nach der anderen schleichend befallen wird. Der Fremdenhass, die Verlockung autoritärer Herrschaftspraktiken und insbesondere ein sich weiter verschärfender Nationalismus sind überall in der Welt in Besorgnis erregender Weise auf dem Vormarsch.“ Speyer werde aber „immer einen Beitrag dazu leisten, dass sich jüdische Mitbürger in unserem Land und in dieser Stadt wohlfühlen“, betonte der frühere Oberbürgermeister Werner Schineller.

Da es immer weniger Zeitzeugen gebe, sei er dankbar für die Begegnungen mit Louis Metzger, Alfred Cahn, Anny Sulzbach und Laure Schindler-Levin. Sie und weitere ehemalige jüdische Mitbürger haben ihre Geburtsstadt besucht. Schineller ist dankbar für die Gedenkarbeit, die von Schulen oder auch von Johannes Bruno mit dessen Veröffentlichungen zum Schicksal jüdischer Bürger sowie vom Verkehrsverein, geleistet werde, der das Areal des Judenhofes und das Jüdische Museum für Besucher erschließt.

Chancen für „SchUMstädte“

„Die Stadt Speyer versteht ihre große jüdische Geschichte als ein verpflichtendes Erbe“, sieht der erste Träger der Ehrenmedaille dank der hervorragenden Vorarbeit gute Chancen, dass die einst so bedeutenden Stätten jüdischer Gelehrsamkeit, die SchUMstädte Speyer, Worms und Mainz unter dem Motto „SchUmstädte am Rhein – Jüdisches Erbe für die Welt“ als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt werden.

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