Speyer

Rhein Speyer ehrt den Altbundeskanzler / Witwe und Sohn des ehemaligen CDU-Vorsitzenden nehmen an der Zeremonie zur Schildenthüllung teil

Uferstreifen nach Helmut Kohl benannt

Archivartikel

Speyer.„In dankbarer Erinnerung und zur Würdigung der Verdienste des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl“ ist am Samstag bei strahlendem Sonnenschein vor mehreren hundert Schaulustigen und Wegbegleitern des ehemaligen CDU-Vorsitzenden ein Abschnitt der Rheinpromenade in Speyer auf den Namen „Helmut-Kohl-Ufer“ umgewidmet worden. Die Kohl-Witwe Maike Kohl-Richter, Oberbürgermeister Hansjörg Eger sowie Laudator und CDU-Bundestagsabgeordneter Johannes Steiniger enthüllten das schlichte Straßenschild.

Der Ort des Geschehens an der Schiffsanlegestelle mit den National-, Landes- und Städtefahnen der meisten Rheinanlieger hatte Symbolcharakter. Denn in Blickweite zum Kaiserdom hatte am 1. Juli 2017 das „MS Mainz“ mit dem Sarg von Helmut Kohl angelegt, um ihn durch die Rheinallee zur Totenmesse im Kaiserdom, der „Hauskirche“ des Altkanzlers, zu bringen. An der offiziellen Benennung des Uferstreifens nahm auch sein Sohn Walter mit Frau Kyung-Sook teil, der sich dabei im Hintergrund hielt.

Der Bundestagsabgeordnete aus Bad Dürkheim würdigte den EU-Ehrenbürger und Kanzler der deutschen Einheit als Politiker mit Visionen, für den die Schaffung eines geeinten Europas eine Frage von Krieg und Frieden gewesen sei. „Das soll auch so bleiben“, sagte Steiniger, dessen politischer Weg im Alter von zwölf Jahren begann, als ihn Kohl mit einem seiner Wahlkampfauftritte begeisterte.

Dass dem Altkanzler diese Ehrung in Speyer zuteil wurde, ließ Steiniger zu einem Seitenhieb auf Kohls Geburtsstadt Ludwigshafen ausholen: „Das ist ein Verfahren, von dem sich Ludwigshafen eine Scheibe abschneiden kann“, sagte er mit Blick auf den problemlosen Speyerer Stadtratsbeschluss vom 15. März zur Namensgebung und den Querelen um eine ähnliche Ehrung von Kohl in seiner Heimatstadt.

Kohl-Witwe Maike Kohl-Richter ist dankbar, dass man für diese Ehrung in Speyer den Begriff Ufer und nicht Promenade wählte: „Promenade – das ist nichts, das man mit meinem Mann verbindet, der ein harter Arbeiter, aber niemals ein Flaneur war.“ Das sah auch Kohl-Sohn Walter so: „Der Ort für diese Ehrung ist sehr stimmig und sehr schön im Schatten des nahen Doms – hier haben sich meine Eltern kennengelernt und immer wohlgefühlt.“

Umso verärgerter ist Walter Kohl über den Umgang mit der letzten Ruhestätte seines Vaters im Friedhof des Domkapitels im Speyerer Adenauerpark: „Das Grab hinter einem Zaun mit Überwachungskameras – das ist ungewöhnlich und beschämend. Die Menschen werden regelrecht ausgesperrt. Da sollten sich Stadt und Ordinariat mal Gedanken machen.“ Das sah Eger anders: „Was mit der letzten Ruhestätte von Helmut Kohl geschieht, ist ausschließlich Sache seiner Familie.“

Mit der Ortswahl der Ehrung waren indes nicht alle Zaungäste einverstanden. So hätte sich Stadtführer Bernhard Bumb auch die zum Rhein führende Allee vorstellen können, „denn diese Straße war Teil des letzten Weges von Kohl“.

Wie es der Zufall so will: Während der Einweihung des „Helmut-Kohl-Ufers“ feierte wenige hundert Meter entfernt in der Hausbrauerei „Domhof“ ein langjähriger Vertrauter des Altkanzlers seinen 80. Geburtstag: Der Oggersheimer Eckhard „Ecki“ Seeber, der ihn 46 Jahre lang als Fahrer durch halb Europa chauffierte. Nach Kohls Tod wurde er entlassen und auch nicht zum „Totenbesuch“ im Hause Kohls in Oggersheim zugelassen. Darunter leidet der Senior noch heute.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/region

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