Speyer

Industriehof Verwaltungschefin leistet „Aufklärungsarbeit“ zur Planungsvorgabe / Stadt behält sich Korrekturen vor

Urbanes Gebiet gibt nur Zielrichtung an

Speyer.Neben der verlängerten Sanierungszeit für die Salierbrücke bewegt sehr viele Speyerer zurzeit die Entwicklung des Industriehofs in der Franz-Kirrmeier-Straße entlang des Rheindamms. Da der Anfang November gegründeten Bürgerinitiative „Rettet den Industriehof“ das Vorgehen der Verwaltung mit der Ausweisung eines „urbanen Gebiets“ aufgestoßen war, hatte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler nun mit dem Fachbereich Stadtplanung Bürger, verunsicherte Mieter und den Stadtrat in der behelfsmäßig umfunktionierten Halle 33 über den Stand der Überlegungen informiert. Seilers Aufklärungsarbeit war vonnöten – zum Glätten der Wogen.

Allen liege der Erhalt des einmaligen Ensembles am Herzen, versicherte Seiler den 150 Interessierten. 90 Prozent der Mieter von Kleingewerbe, Einzelhandel und Kunst können nach Auskunft von Planungschefin Kerstin Trojan unbesorgt in die Zukunft blicken. Nur fünf bis sechs Betriebe, etwa der Holzverarbeitung und der Kfz-Branche, müssten eventuell auf eine andere Fläche des Geländes verlegt werden. Eine Lösung könne auch sein, dass das im „urbanen Gebiet“ gewünschte Wohnen nur in angemessener Entfernung zu bestehenden, vielleicht zu lauten Betrieben zugelassen werde. Aktuell gehe es der Stadt nur ums Zusammentragen von Grundlagen.

Dazu gehöre auch die Abstimmung mit der Denkmalpflegebehörde. Beabsichtigt sei die Erstellung eines Lärmgutachtens, so die Planerin. Der im Juni 2018 mit klarem Votum vom Rat abgesegnete Aufstellungsbeschluss als „gewerblich genutztes Gebiet“ sei nun von der städtischen Planungsabteilung um eine Zielrichtung erweitert worden. In einer erst neuerdings als „urbanes Gebiet“ bezeichneten Planungsvorgabe sei Wohnbebauung zulässig.

Wo Gewerbebetriebe verbleiben oder neu angesiedelt werden und auf welchen Flächen Wohnen erlaubt werde, ist nach Angaben von Bauamtsleiter Bernd Reif erst im letzten Schritt, dem Aufstellen des Bebauungsplanes maßgebend. Die Stadt behalte die Planungshoheit und könne bei unerwünschter Entwicklung Kurskorrekturen durchsetzen. Reif möchte die Beschlussvorlage um den Passus ergänzen, dass ein „urbanes Gebiet, orientiert am betrieblichen Bestand“ angestrebt werde. Im Bauausschuss wurde diese Vorlage abgesegnet und stehe im Stadtrat am 12. Dezember zur Abstimmung. Zudem besitze die Stadt im Industriegelände selbst noch eine Teilfläche und könne, so Reif, bestandsorientiert reagieren.

Die von Architekt Karl-Heinz Erny und dem DGB-Stadtvorsitzendem Axel Elfert für die Bürgerinitiative vorgebrachten Bedenken (wir berichteten) einer verstärkten Wohnbebauung Tür und Tor zu öffnen, konnten Seiler, Reif und Trojan weitestgehend ausräumen. Ob Elferts Ansinnen, dass auch sozialgebundene Wohnungen vorgesehen werden müssten, realisierbar ist, muss sich bis Ende 2020 zeigen. Für den Investor hegt Dr. Martin Koch die Hoffnung, dass der Bebauungsplan „nicht erst in zweieinhalb Jahren aufgestellt wird. Seiner Kenntnis nach schlummerten nur unter wenigen Flächen Altlasten. Koch betonte: „Wir sind keine Neubauer.“

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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