Speyer

Einheitsfeier Freya Klier kritisiert im Vortrag die Selbstbedienung der alten DDR-Kader

Vogel: Bitte genau hinschauen

Speyer.Anlässlich des Tags der Deutschen Einheit führt der Förderkreis „Palatina Klassik“ alljährlich die Gedenkveranstaltung „Zukunft braucht Erinnerung“ durch. Mit der inzwischen zur festen Größe gereiften Reihe will der Verein darauf hinweisen, dass Werte wie Freiheit, Menschenrechte, Rechtsstaat und Demokratie nicht zur Disposition stehen.

Bei der Veranstaltung am Vorabend des Feiertags konnte Michael Wagner, rheinland-pfälzischer Landtagsabgeordneter der CDU und Vorsitzender des Förderkreises, mit dem zweifachen Ex-Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel, der ja bekanntlich in Speyer lebt, und der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin, Autorin und Filmemacherin Freya Klier zwei prominente Zeitzeugen im Historischen Ratssaal willkommen heißen. Wie erwartet, entspann sich 30 Jahre nach dem Mauerfall schnell ein informativer Dialog, der die zahlreichen Besucher förmlich in ihren Bann zog. Zu Bernhard Vogel, der bereits mehrmals Gast der Veranstaltungsreihe war und am Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl in Polen weilte, muss man eigentlich nichts mehr sagen. Vogel mahnte jedoch mehrfach an, sehr genau hinzuschauen, was im Laufe des Einheitsprozesses passiert sei und heute noch passiere.

Im Friedenskreis aktiv

Die besondere Aufmerksamkeit der Besucher für die 1950 in Dresden geborene Freya Klier hatte auch viel mit ihrer Biografie zu tun. Bereits 1968 versuchte sie – allerdings erfolglos – aus der DDR zu flüchten. Sie wurde zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt, aber vorzeitig entlassen.

In der Folgezeit studierte Klier dennoch Schauspiel in Leipzig und Dresden, arbeitete als Schauspielerin und Regisseurin und war seit Anfang der 1980er Jahre im Friedenskreis Pankow aktiv. Dieses Engagement in der DDR-Friedensbewegung führte schließlich im Jahr 1985 zum Berufsverbot.

Umfassende Reformen gefordert

Im November 1987 kritisierten Freya Klier und ihr damaliger Ehemann, der Liedermacher Stephan Krawczyk, in einem offenen Brief an Kurt Hager, Mitglied des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), den gesellschaftlichen Zustand in der DDR und forderten in dem Schreiben umwälzende Reformen ein.

Mit der Folge, dass ein Mordversuch durch ein im Auto aufgebrachtes Nervengift auf sie verübt wurde, für den man die Staatssicherheit verantwortlich machte. Nach einer weiteren Inhaftierung stellte Klier am 2. Februar 1988 einen Antrag auf Ausreise aus der DDR und wurde wenige Stunden später auch abgeschoben.

Die heute in Berlin als freischaffende Autorin und Filmregisseurin tätige Klier hatte viel zu erzählen. Zu den Kernaussagen gehörten Vorwürfe an die damaligen DDR-Kader, die sich bedeutende Vermögenswerte und Besitztümer widerrechtlich angeeignet und damit den Neuanfang in der Ex-DDR aus eigener Kraft enorm erschwert hätten.

Zu den positiven Erlebnisorten vom 9. November 1989 zählte Klier den Kurfürstendamm, zu dem die Ostberliner in Scharen geströmt seien, da der Ku’damm für sie den Inbegriff für das westdeutsche Wirtschaftswunder verkörpert habe. Die musikalische Ausgestaltung des Abends bestritt das Palatina-Klassik-Barockensemble unter Leitung von Professor Leo Kraemer.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional