Speyer

Rezension Dem Buchautor Stefan Ohliger gelingt mit „Das Virus aus dem kalten Krieg“ ein zeitgemäßer Thriller

Was harmlos beginnt, endet katastrophal

Archivartikel

Speyer.Der in Speyer lebende Autor Stefan Ohliger hat ein Erstlingswerk geschrieben. Zwar schürt „Das Virus aus dem kalten Krieg“ Ängste vor dem Missbrauch biologischer Kampfstoffe, macht aber nach eingetretener Katastrophe auch Hoffnung auf den Überlebenswillen von Menschen. Der 252 Seiten umfassende und kurzweilig zu lesende Thriller beginnt relativ harmlos. In den Mittelpunkt seiner Geschichte hat der im Hauptberuf als Datenbank-Fachmann tätige Autor den Studenten und Vollwaisen Richy Arnsberg gestellt, der den Leser durch die Story begleitet.

Das Schicksal nimmt im Jahre 1983 seinen Lauf: Der Student Arnsberg lässt sich mit zahlreichen weiteren Probanden darauf ein, in einem Heidelberger Institut ein angeblich neuartiges Antibiotikum an sich testen zu lassen. Der Test läuft jedoch völlig aus dem Ruder und bis auf Arnsberg sterben alle Testpersonen. Plötzlich ist von einem Virus die Rede, KGB, CIA und die Stasi kommen ins Spiel, die Toten werden „entsorgt“ und das Labor professionell abgefackelt. Arnsberg überlebt nur, weil zwei Täter ein schlechtes Gewissen haben.

Während die Mordkommission noch im Dunklen tappt, macht der Autor einen Zeitsprung in das Jahr 2016, in dem der frustrierte Labormitarbeiter und Hobby-Hacker Alfred Molin eine tragende und tragische Rolle spielt. Nicht ahnend, was man damit anrichten kann, entwendet er im Auftrag des Arabers Mahmoud aus der Uni-Klinik einen hochansteckenden Virus. Bei der Übergabe in einem Frankfurter Café erhält er jedoch statt der vereinbarten 600000 Euro ein Messer in den Rücken und haucht sein Leben aus.

Reise ohne Wiederkehr

Danach überschlagen sich die Ereignisse. Vom Gesinnungsgenossen Samir unterstützt, bringt Mahmoud das extrem gefährliche Material auf der internationalen Messe für Informationstechnik CEBIT in Hannover unter die Leute. Für die in alle Herren Länder zurückreisenden Messeteilnehmer wird es eine Reise ohne Wiederkehr. Wie die unmittelbar nach dem Anschlag verstorbenen Attentäter tragen sie das sich rasend schnell verbreitende Virus in sich. In kürzester Zeit bricht weltweit eine Pandemie aus, der ein Großteil der Menschheit zum Opfer fällt.

Der internationalen Katastrophe mit Leichenbergen folgt auf lokaler Ebene der Wille zum Neuanfang. Überlebende schließen sich zu provisorischen Lebensgemeinschaften zusammen. So auch auf einem Campingplatz von Römerberg bei Speyer. Schon bald entwickelt sich aus dem Provisorium eine florierende Kommune. Gegründet hat sie der nun wieder ins Rampenlicht rückende Richy Arnsberg, den die Gemeindemitglieder zu ihrem ersten Bürgermeister wählen.

Stillstand der Fabriken

Bis die Selbstversorgung mit Gemüseanbau und Viehzucht funktioniert, hat es an nichts gemangelt. Gefragt waren lediglich Organisationsvermögen und Improvisationstalent, denn in Krankenhäusern, Supermärkten, Tanklagern und weiteren Einrichtungen – bis hin zu Waffenlagern der Bundeswehr – fanden sich reichliche Vorräte, um die ersten Monate in einer Welt zu überstehen, in der mangels Personal die Fabriken stillstanden und keine Autoschlangen mehr die Straßen verstopften.

Doch schon bald „menschelt“ es wieder in der bisherigen „Idylle“. Eifersüchteleien brechen aus, Arnsberg wird abgesetzt, eine skrupellose Frau übernimmt die Macht, ihr Vorgänger flieht mit ein paar Getreuen in den Pfälzer Wald und organisiert von dort aus den Widerstand. Wie erfolgreich er war und welche Opfer er forderte, sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

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