Speyer

Galerie Kulturraum Lüpertz-Schüler Fahar-al-Salih stellt aus / Expressive Bilder international gefragt

Wechselspiel zwischen Tradition und Moderne

Speyer.Auf Audrey Hepburn folgt Fahar-al-Salih – mit der Ausstellung „Good Times Will Come“ in der Galerie Kulturraum, die gestern eröffnet wurde, schlagen die Galeristen Maria Franz und Anton Bronich auf internationalem Parkett erneut bemerkenswerte Pflöcke ein.

Handelte es sich bei der Präsentation mit Werken des deutschen Pop-Art-Künstlers Michel Friess noch um eine Art malerische Hommage an die verstorbene Filmdiva Hepburn, können sich die Besucher nun über die Werke eines Kunstschaffenden von herausragender Bedeutung freuen. Fahar-al-Salihs expressive Bilder sind national und international gefragt, waren unter anderem bei Ausstellungen in Los Angeles, Brüssel und Kuweit zu sehen. Mit einer neuen Serie ist er vom 21. bis 24. Februar auf der Art Karlsruhe und vom 15. bis 17. März auf der Kunstmesse „Affordable Art Fair“ in Brüssel vertreten.

Ausschließlich mit den Händen

Rückschlüsse auf die Qualität und den geistigen Tiefgang seiner Arbeiten lassen sich zudem von seinem künstlerischen Werdegang ableiten. Der bis 1996 zwischen mehreren Ländern und verschiedenen Metropolen pendelnde Kosmopolit studierte Malerei in den Meisterklassen von Markus Lüpertz, Hermann Nitsch und Jerry Zeniuk. Anzumerken ist ferner, dass Fahar-al-Salih unter Verzicht auf Pinsel, Spachtel oder sonstige Hilfsmittel ausschließlich mit den Händen malt.

Laudator Friedhelm Jakob stellte den Künstler und sein Werk vor, dem eine internationale Laufbahn quasi in die Wiege gelegt wurde. Als Sohn eines irakischen Vaters und einer jugoslawischen Mutter erblickte Fahar-al-Salih 1964 in Bagdad das Licht der Welt. Aufgewachsen ist der heute in Karlsruhe lebende, mit einer deutschen Frau verheiratete österreichische Staatsbürger in Kuwait.

Befasst man sich näher mit seinem an ein Nomadenleben erinnernden Lebenslauf wird schnell klar, warum die Suche nach Schutz und Geborgenheit zum zentralen Thema seiner Malerei wurde, die sich in expressiven Farbexplosionen und extrem verdichteten Stimmungsbildern äußert.

In der Galerie Kulturraum sind zwei unterschiedliche Werkblöcke zu sehen. Zum einen handelt es sich um meist großformatige Abstraktionen in Öl oder Acryl auf Leinwand, während die zweite Serie dem Betrachter in Form von Mosaiktafeln begegnet, die Fahar-al-Salih aus zahllosen kleinen Industrieschwämmen zusammengefügte, mit Acryl bemalte und die Oberfläche mit Kunstharz versiegelte. Ihren Ursprung haben die an Keramiken erinnernden Tafeln in den traditionellen islamischen Mosaiken. Da der Maler komplett auf geometrische Formen verzichtet, stellen seine abstrahierten, von einem lebendigen Wechselspiel der Farben geprägten Arbeiten eine moderne Interpretation des Ursprünglichen dar.

Ausdrucksstarke Farbkombinationen in Öl oder Acryl auf Leinwand bilden die Essenz seiner Werke im Großformat, die der Maler unter dem Begriff „Shelter“ zusammenfasst. Angedeutet oder förmlich ins Auge springend, findet sich das Schutzdach als Zufluchtsort in allen Arbeiten wieder. Gedanklich bilden Landschaften stets die Ausgangsbasis für diese Art der Malerei, bei der Farben und Formen ohne Vorstellung vom Endergebnis intuitiv auf die Leinwand aufgebracht werden.

Malerische Drohkulissen

So entstehen in einer Kombination von Aggression und Harmonie oft bedrohlich wirkende Kompositionen. Malerische Drohkulissen äußern sich in aufziehenden Unwettern oder sie geben interpretationsfähige Geschichten wie jene von Ikarus wieder, die Fahar-al-Salih in einem 2,60 mal 2 Meter messenden Werk erzählt.

Einen Schutzmechanismus könnten auch drei semifigurativ angedeutete Personen im großformatigen Bild „Common Story“ gebrauchen, die Fahar-al-Salih als Beobachter einer Weltuntergangsszenerie um ein flammendes Inferno gruppiert hat.

Eine Besonderheit stellt das Werk „On my mind“ aus einer neuen Serie dar. Der Zweiklang aus mauerähnlichem Mosaik und dem darüber in Actionpainting-Technik angedeuteten Dach ist zum ersten Mal in einer Ausstellung zu sehen.

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