Speyer

Kulturhof Kunstverein zeigt unter dem Titel „Verräumlichen“ Arbeiten von Dorothée Aschoff

Werke gemahnen an Vergänglichkeit

Speyer.Unter dem Titel „Verräumlichen“ zeigt die 1965 in Göppingen geborene und in Neustadt an der Weinstraße lebende Künstlerin Dorothée Aschoff beim Kunstverein Speyer drei unterschiedliche Werkgruppen, die vieles gemeinsam haben. In einer Bandbreite, die von emotionalen Empfindungen bis zur nüchternen Betrachtung reicht, laden die Ausdrucksformen Skulptur, Malerei und Grafik zum Eintauchen in außergewöhnliche Erlebnisräume ein.

Vor allem bei den Skulpturen und Grafiken bedarf es eines näheren Hinsehens. In diesen Arbeiten wird besonders deutlich, dass die Dreidimensionalität eine zentrale Rolle im Schaffensprozess von Aschoff spielt. Sie studierte von 1985 bis 1992 Bildhauerei und Malerei an der Kunsthochschule Braunschweig und der Universität der Künste Berlin und war Meisterschülerin bei Professor Michael Schoenholtz.

Für die Qualität ihrer Arbeiten spricht, dass die Biografie der mehrfach ausgezeichneten Preisträgerin Ausstellungen in wichtigen Kunsteinrichtungen sowie zahlreiche öffentliche Ankäufe bedeutender Häuser und Organisationen ausweist.

Den Raum erfahrbar zu machen, ist ihr mit der Präsentation beim Kunstverein hervorragend gelungen. Davon legen plastische Arbeiten mit teils mystischem Charakter wie das „Gitterboot“, die „Urform“ oder die „Große Lamellenform“ Zeugnis ab. Aus vielschichtigem Papier hergestellt, mit Leim und Kunstharz verfestigt und aufs Wesentliche reduziert, suggerieren sie mit weißen oder dunkel eingefärbten sowie teils zerknitterten Oberflächen Aufbruch und Ankunft, assoziieren aber auch Einsamkeit, Vergänglichkeit und Verletzlichkeit.

Kohlearbeiten mit Tiefenwirkung

Auf besondere Weise sprechen Aschoffs Kohlearbeiten die Sinne des Betrachters an. Die großformatigen Arbeiten auf weißem Grund mit changierenden Grau- und vertiefenden Schwarztönen erfordern geradezu analytische Fähigkeiten. Ölhaltige Kohle und Radiergummi sind die Materialien, mit denen Aschoff auf großen Flächen perspektivische Räume mit beachtlicher Tiefenwirkung geschaffen hat.

Titel wie „Umfließend“, „Geflochten“ oder „Umsäumend“ lassen erahnen, welche Detailarbeit in den aus Linien und Strichen bestehenden netzartigen Geflechten steckt. Dabei spielt die Künstlerin gerne mit dem anamorphen Phänomen, das bereits in der Renaissance ein beliebtes Stilmittel war und das Original je nach Betrachtungswinkel verwandelt beziehungsweise verzerrt darstellt.

Den dritten Werkblock bilden Malereien in Öl auf Leinwand mit weitgehend aufgelösten Formen, die Aschoff unter den Begriffen „Landschaft“ und „Landschaftend“ zusammengefasst hat. Teils in vielen Schichten direkt aus der Tube aufgetragen oder mit der Spachtel bearbeitet, beherrschen aufgerissene Strukturen die Kompositionen, in denen scheinbar ein zerstörerisches Chaos herrscht. In ihre Einzelteile zerlegte Materie wird, wie von einem Tsunami erfasst, hinweggespült, was in den 80 mal 130 Zentimeter großen Arbeiten „Landschaft I bis III in besonderer Weise zum Ausdruck kommt.

Ergänzt wird die Ausstellung durch an Urformen erinnernde Darstellungen, die Assoziationen an den Formenreichtum von Ammoniten wecken und die seit Jahrmillionen lebende fossile Gattung „Nautilus“ in einer Bilderserie und der Skulptur „Urform“ thematisiert.

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