Speyer

Kulturhof Flachsgasse Kunstverein zeigt Werkschau von Sasha Koura und Joachim Kreiensiek

Wie wird die Welt fassbar?

Speyer.„Vom Sichtbaren und Unsichtbaren“ lautet der Titel einer Ausstellung mit Werken von Sasha Koura und Joachim Kreiensiek, die am morgigen Sonntag um 11 Uhr beim Kunstverein im Kulturhof Flachsgasse eröffnet wird. Die Kunstschau ist Teil der Jubiläumsveranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen des Vereins. Nach Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden Klaus Fresenius stellt die Kunsthistorikerin und freie Journalistin Dr. Martina Wehlte die Künstler und ihre Arbeiten vor.

Die in London geborene und in Baden-Baden lebende Sasha Koura studierte Kunst an der Chelsea School of Art und der Ruskin School of Drawing and Fine Art der Oxford University. Schwerpunkte waren Malerei, Installationskunst und Druckgrafik.

Die künstlerischen Gedanken von Sasha Koura sind ohne begleitende Erläuterungen schwer nachvollziehbar. Unspektakuläre Assemblagen, Zeichnungen und Installationen bestehen überwiegend aus alten Buchseiten, Einbänden und Landkarten. Als geometrische Einheit in einfachen Kompositionen präsentiert, sollen die Fundstücke den Blick des Betrachters auf das lenken, was hinter den im Alltag nicht mehr wahrgenommenen Objekten steckt.

So sind von alten Landkarten nur die leeren Rückseiten zu sehen. Von einem Buch mit 16 Bildern blieb lediglich der Titel „Augenblick und Ewigkeit“ erhalten. Wo sich die Bilder befanden, geben leere Seiten Rätsel auf. Die Künstlerin versteht sich als Vermittlerin zwischen dem Objekt als Materie und seiner Wahrnehmung als Kunst. Das „Unsichtbare sichtbar zu machen“ ist auch der Ansatz einer 36-teiligen Installation aus leeren Buchdeckeln, Buchrücken und Buchseiten mit Textfragmenten, die Inhalte lediglich andeuten.

Malerei und Glasinstallationen

Etwas weniger beansprucht wird die Vorstellungskraft bei den Werken von Joachim Kreiensiek. Der 1961 in Bitburg geborene Künstler studierte Germanistik und Geschichte in Heidelberg sowie Kunsterziehung und Politik in Mainz. Sein Diplom in Freier Kunst erwarb er 1994. Kreiensiek lebt und arbeitet in Mainz und Ginsheim-Gustavsburg. Stipendien führten ihn unter anderem nach Salzburg, Paris und Virginia/USA.

Beim Kunstverein sind Malereien und Glasinstallationen zu sehen. Die Arbeiten basieren auf Motivvorlagen wie Stadtkarten, Lötplatinen und Lochkarten. In einem Spannungsfeld von Abstraktion und Inhalt äußern sich philosophisch-spirituelle Denkweisen in der Suche nach Chiffren für die Gegenwart.

Ein ganz in gedecktem Weiß gehaltener Stadtplan von Rom mit kaum sichtbar aus der Oberfläche hervortretenden Straßen- und Häuserstrukturen wirft auf 200 mal 285 Zentimetern die Frage auf, wie weit die Welt fassbar ist und was sich hinter den Hauswänden an Schicksalen verbirgt. Reliefartig wahrnehmbar sind auch feine Strukturen einer dreifarbigen Stadtkarte von Speyer, wobei Grün für die Rheinlandschaft sowie Ocker und Rotbraun für den Sandstein des Domes stehen.

Symbolisch für eine übersättigte Leistungsgesellschaft versteht sich eine Installation mit zahlreichen Gläsern auf einem weiß gedeckten Tisch, die als Spiegelbild in den Fenstern der Galerie eine Verdoppelung erfahren. Neben großformatigen Piktogrammen zeigt Kreiensiek den zweigeteilten Rheinstrom im Großformat 200 mal 450 Zentimetern. Wobei die Farben des im Querschnitt dargestellten Gewässers vom dunklen Grund bis zur lichtdurchbrochenen Oberfläche in immer helleren Grüntönen schimmern.

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