Speyer

Gedächtniskirche Orchester der Garde Républicaine sorgt bei ihrer Deutschland-Premiere für ein hochklassiges kulturelles Erlebnis / Musik aus verschiedenen Epochen

Zeichen für ein gemeinsames Europa

SPeyer.Zum französischen Feiertag des 8. Mai wurde in der Gedächtniskirche der Protestation in Speyer ein besonderes Zeichen für ein gemeinsames Europa gesetzt. Unter der Leitung von Colonel François Boulanger trat das renommierte Orchester der Garde Républicaine zum ersten Mal in Deutschland auf. Die deutsch-französische Freundschaft wurde hier nicht auf politischer Ebene gefeiert, es waren die Menschen, die sich zusammengefunden hatten. um gemeinsam ein kulturelles Erlebnis in Form eines hochkarätigen Konzertes zu genießen. Deutsche und französische Sprache füllte den prächtigen Bau, doch verstummten sie, als sich alle zu den beiden Nationalhymnen erhoben.

Nach der Begrüßung durch Dekan Markus Jäckle, dem es zu ver-danken ist, dass das Orchester eine passende Kulisse für diesen Anlass gefunden hat, sprach auf französischer Seite General Damien Striebig: Die Gründung des Orchesters geht auf den 5. Mai 1848 zurück. Inzwischen ist es auf 120 professionelle Musiker angewachsen und tritt, jeweils dem Anlass entsprechend, in verschiedenen Formationen als Blas-, Streichorchester oder Streichquartett auf. Das Repertoire umfasst klassische Musik vom 17. Jahrhundert bis heute.

Ein Fest der Instrumente

Diesmal hatte sich Boulanger für Beethovens 4. Symphonie in b-Moll und eine romantische Mischung französischer Komponisten entschieden. Unter den präzisen Bewegungen seines Dirigierstabs erklangen die ersten Töne des Orchesters. Beinahe verhalten der 1. Satz, langsam in Schwung. Das pulsierende Motiv des 2. Satzes wechselte sich mit einer wunderschönen Melodie ab, bevor der 3. Satz beschwingt ins „Allegro ma non troppo“ (schnell, aber nicht zu sehr) des 4. Satzes überleitete.

Zweifelsohne ein Fest der Instrumente, die der Zusatz „ma non troppo“ kaum aufzuhalten schien. Doch waren es die leisen und ruhigen Stellen wie im Adagio, die das Publikum besonders überzeugten.

Françoise Ollagnier, die zu diesem Konzert extra aus Frankfurt angereist war, schien einerseits begeistert von der „feinfühligen Führung“ des ausgezeichneten Dirigenten, andererseits den Musikern selbst, die in besonderer Weise bei leisen Passagen „innerlich harmonisch waren und gut miteinander kommunizierten. Das spürt man!“

Klanggewaltiger Auftritt

So auch beim nächsten Werk, der Ouvertüre aus „Le roi d’Ys“ von Edouard Lalo. Breite Klangflächen nahmen die Zuhörer in der Gedächtniskirche mit in die Epoche der Romantik. Idylle und Sturm wechselten sich klanggewaltig ab und hinterließen ein kräftig applaudierendes Publikum.

Die Musik von Georges Bizet verbindet man sofort mit der Oper „Carmen“ und die wohlbekannten Melodien erfreuten die Zuhörer vom ersten Ton an. Sei es ein inniges Duo zwischen Harfe und Querflöte beim Intermezzo oder das ganze Orchester, das beim Auftritt der „Toréadors“ die Fantasie anregte. Es war ein Fest, bei dem man gerne Gast war.

Aus Spanien entführte Camille Sains-Saëns in ein fernes Land und eine andere Zeit: „Samson und Dalila“ erklang mit orientalischem Thema. Auf den energischen Samson folgte ein schwelgerisch-süßer Tanz der schönen Dalila. Mit viel Liebe zum Detail erschien auch hier das Orchester als harmonisches Ganzes mit Boulanger an seiner Spitze, der bereits seit 1997 die Leitung innehat.

Auf die Begeisterung, die aus dem Publikum bekundet wurde, schien Boulanger vorbereitet zu sein. Als Zugabe wurde die Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ gespielt und hinterließ ein warmes Gefühl, das General Striebig am besten zum Ausdruck gebracht hatte: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft! Es lebe die Garde!“

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