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Äußerst ambitioniert

Bundesliga: Hoffenheim wird in der Bundesliga mittlerweile als Spitzenteam wahrgenommen

Diese Sätze von Julian Nagelsmann klingen fast schon wie eine Drohung. Erstens: „Wir sind weiter als im Vorjahr.“ Zweitens: „Ich bin auch gerne für eine Krönung. Ich würde das letzte Jahr gerne noch erfolgreicher abschließen als die anderen (Dritter und Vierter, d. Red). Dass das nicht einfach ist, weiß ich auch. Aber ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Meistertitel.“

Mangelndes Selbstvertrauen konnte man dem Trainer-Emporkömmling noch nie vorwerfen, doch solch eine Ansage vor seiner letzten Saison bei der TSG 1899 Hoffenheim? Ist er nun vom Größenwahn getrieben, dieser 31-Jährige? Die kritischen Betrachter können ja über die TSG Hoffenheim sagen, was sie wollen, doch der Dorfklub ist in den vergangenen beiden Jahren zu einem Spitzenteam der Bundesliga erwachsen. Zwei Europapokal-Teilnahmen in Folge – das haben zuletzt nur noch Bayern, Dortmund und Leipzig geschafft.

Nagelsmann und die Seinen wetzten mit vollem Elan durch die nun zu Ende gehende Vorbereitung. In den diversen Trainingseinheiten ging es stets zur Sache. Es waren teils irres Tempo und eine enorme Wucht in den Spielformen. Und wenn nicht, funkte Julian Nagelsmann gleich laut dazwischen: „Frequenz! Mehr Frequenz!“

Fast schon nebenbei und völlig geräuschlos sind dabei die beiden „Mega“-Abgänge Mark Uth (14 Saisontore) und Serge Gnabry (10) weggesteckt worden. Alle „Experten“, die den Hoffenheimern Probleme beim Toreschießen vorher gesagt haben, die wurden mit den Testspielsiegen gegen Heerenveen (8:2) und Verona (5:0) eines Besseren belehrt.

An dieser Stelle lohnt ein Blick in die Tiefenanalyse des „Direktors Profifußball“ Alexander Rosen und Trainer Julian Nagelsmann: Übereinstimmend haben sie festgestellt, dass „Hoffe“ zu wenig aus der „zweiten Reihe“, aus dem Mittelfeld heraus, erfolgreich war. Hinter dieser Analyse sind auch die beiden Verpflichtungen Leonardo Bittencourt und Vincenzo Grifo zu verstehen, die exakt diese Qualität bereits in ihren ersten Dienstwochen bei 1899 unter Beweis gestellt haben.

Der aus Bremen geholte Zentrumsstürmer Ishak Belfodil hatte während der Vorbereitung immer wieder mit Wehwehchen zu kämpfen und muss sich erst einmal hinter die Arrivierten Andrej Kramaric und Adam Szalai anstellen. Der von seiner Leihe zurückgekehrte Joelinton und Nachwuchsspieler David Otto haben auf sich aufmerksam gemacht und sich zu ernsthaften Alternativen entwickelt – mindestens.

Vogt und Hübner gesetzt

Zwei der drei Positionen in der Abwehr sind fix vergeben: Kapitän Kevin Vogt im Zentrum und Benjamin Hübner auf der linken Seite sind gesetzt. Für die rechte Position hat Nagelsmann mit Posch, Akpoguma, Adams und Nordtveit genügend Alternativen. Die vielen Verteidiger im Kader ermöglichen auch einen fixen Switch hin zu einer Viererkette.

Insgesamt ist der Kader so ausgewogen und intelligent zusammengestellt, dass jede Position doppelt besetzt ist und der Belastung von drei Wettbewerben stand halten kann. Neuzugang Leonardo Bittencourt findet „das Niveau sehr, sehr hoch“ und fügt einen interessanten Satz dazu: „Wenn du bei einem großen Verein spielen möchtest, gehört sich das auch so.“ Diese Aussage des Ex-Kölners zeigt, wie „Hoffe“ mittlerweile in der Bundesliga wahrgenommen wird – als Spitzen-Verein. Und als solcher kann man auch mal ambitionierte Ziele definieren. . .