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Als Favorit nach Moskau

Knysna ist ein wunderschöner Ort in einem der attraktivsten Urlaubsländer des Planeten: wundervolle Ausblicke, eine angenehme Brise vom Indischen Ozean, die vielleicht besten Austern der südlichen Hemisphäre – die Stadt an der berühmten Garden Route Südafrikas bietet Wohlfühl-Atmosphäre pur.

Vor acht Jahren erlebte der französische Fußball dieser angenehmen Umgebung zum Trotz in Knysna eine seiner schwärzesten Stunden. Bei der WM 2010 gab die Equipe Tricolore ein verheerendes Bild ab: die Spieler boykottierten nach der Suspendierung von Stürmer Nicolas Anelka das Training des ungeliebten Nationaltrainers Raymond Domenech, die Regierung in Paris berief eine Krisensitzung ein – das Team schied letztlich kläglich in der Vorrunde aus.

Von diesem Tiefpunkt hat sich Frankreichs Auswahl spätestens in diesem russischen Sommer vollends erholt. Nationaltrainer Didier Deschamps hat eine Mannschaft aufgebaut, die individuelle Extraklasse mit dem unerlässlichen Teamgeist vereint. Die Equipe steht damit als Vorbild für den großen Trend dieser WM: Superstars können nur erfolgreich sein, wenn sie ihre Fähigkeiten und ihr Ego einem funktionierenden Kollektiv unterordnen. Dies hat selbst ein als schwierig geltender Charakter wie Paul Pogba verinnerlicht. Dass der Halbfinal-Erfolg gegen Belgien eher mit taktischer Finesse erkämpft als herausgezaubert wurde, passt ins Bild.

Die Franzosen stellen das kompletteste Team dieses Turniers – und sie gehen als Favorit in das Finale von Moskau. Fast im Vorbeigehen hat Deschamps’ Ensemble zudem eine Debatte befriedet, die auch in unserem Nachbarland immer wieder geführt wird: Über die Abstammung von Pogba, Mbappé oder Umtiti spricht in Frankreich zurzeit niemand mehr. Das ist in Deutschland beim Fall Özil gerade leider ein wenig anders.

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