Aktuell

Rheinau Das vor zwei Jahren ausgebrannte historische Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert soll langfristig erhalten werden

Altes Relaishaus wird gesichert

Das vor zwei Jahren durch ein Feuer stark beschädigte Alte Relaishaus soll noch in diesem Jahr baulich gesichert werden, „damit es nicht völlig zusammenfällt“. Dies kündigte Werner Eisen vom städtischen Fachbereich Baurecht auf der jüngsten öffentlichen Sitzung des Bezirksbeirates Rheinau an. Eine langfristige Lösung für das historische Bauwerk in der Relaisstraße, vor allem ein Kauf durch die Stadt, sei jedoch noch nicht in Sicht, machte Eisen klar.

Das 1771 erbaute und damit älteste bestehende Gebäude des Vorortes ging in der Nacht zum 21. Oktober 2015 in Flammen auf. Ein Jahr darauf wurde der Eigentümer wegen Brandstiftung zu acht Jahren Haft verurteilt, ein Helfer zu fünf Jahren, ein weiterer zur Bewährungsstrafe.

Seit zwei Jahren steht das Gebäude, das nach wie vor dem in Haft einsitzenden Eigentümer gehört, teilweise als Ruine in der Relaisstraße. Die Fassade ist durch ein Gerüst stabilisiert, das ausgebrannte Dachgeschoss von Planen abgedeckt, die jedoch auf Grund der Witterung längst selbst lädiert sind. Vor Ort wächst der Unmut über diesen Schandfleck im Ortskern. So wollte der Bezirksbeirat nun wissen, was die Stadt tun kann, um diesen Zustand zu ändern.

„Verantwortlich ist nach wie vor der private Eigentümer“, macht der Leiter der Sitzung, Stadtrat Claudius Kranz, deutlich. „Wir als Stadt können nur baurechtlich agieren, und wir tun dies aus“, versichert Werner Eisen. Ziel sei es, das Gebäude baulich so zu stabilisieren, dass es als Baudenkmal erhalten werden kann.

Zu diesem Zweck wird nicht einfach nur eine neue Plane aufgelegt, sondern der Dachstuhl entfernt und das Stockwerk abgedeckt. Das Mauerwerk wird stabilisiert, jeder Eingang ordentlich verschlossen. „Ich hoffe, dass dies bereits bis zu den Feiertagen geschehen ist“, so Eisen.

Stadt streckt das Geld vor

„Die Stadt wird dazu Geld in die Hand nehmen, und wir reden dabei nicht nur von 5000 Euro“ macht Eisen klar. Im Wege der Ersatzvornahme soll versucht werden, dieses Geld vom Eigentümer zurückzuholen. „Was parallel dazu in der Eigentumsfrage läuft, kann ich hier nicht sagen“, formuliert Eisen. Allerdings teilt er mit, das Immobilienmanagement der Stadt nehme bereits „eine Bewertung des Gebäudes“ vor.

„Vielen Dank!“, meint SPD-Bezirksbeirat Hans-Joachim Rickel vieldeutig: „Dann haben wir eine abgedeckte Ruine, aber eben immer noch eine Ruine.“ Forderung der Rheinauer bleibe jedoch der Wiederaufbau und Erhalt dieses Kleinods. Rickel sieht dafür auch Möglichkeiten: Auf dem Gebäude liege ein Darlehen der Sparkasse, was den Weg zu einer Zwangsversteigerung eröffne.

Unverständnis im Bezirksbeirat

„Für mich ist dieser Zustand unerklärlich“, meint seine Kollegin Ulrike Kahlert: „In Artikel 14 Grundgesetz steht doch: Eigentum verpflichtet.“ Sie habe allerdings den Eindruck, „dass selbst der Oberbürgermeister die Sache ein bisschen an die Seite schiebt.“ Kahlert plädiert dafür, das Gebäude „nicht einzustampfen, um einen Wohnblock hinzusetzen.“ Dafür sei aber die Entwicklung eines Nutzungskonzeptes notwendig. Zu einer Ideenwerkstatt werde Stadtrat Thorsten Riehle im Januar einladen.

„Durch das Gerüst werden zwei Gehwege und zwei Radwege blockiert“, kritisiert Bezirksbeirat Helmut Losert: „In der Neuhofer Straße müssen die Fußgänger sogar auf die Fahrbahn treten.“ Losert schlägt vor, das Gerüst ins Innere des Gebäudes zu versetzen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dort noch was kaputt machen kann.“ Grundsätzlich verlangt er eine Initiative der Stadt im Städtetag, für derartige „Problem-Immobilien“ Zwangsenteignungen rechtlich zu erleichtern.

„Die Verwaltung tut, was sie kann“, äußert dagegen CDU-Bezirksbeiratssprecher Marco Siesing: „Handeln muss der Eigentümer. Die Stadt, der Bezirksbeirat können da nur wenig tun.“ Einen Ideenwettbewerb für die künftige Nutzung hält er daher für wenig sinnvoll: „Damit wird den Bürgern doch nur vorgegaukelt, sie hätten in dieser Sache irgendetwas zu entscheiden.“

Dies sieht Stadtrat Wolfgang Taubert anders: „Wenn die Feuerwehr ausrückt, kann eine Sicherungshypothek eingetragen werden“, so der Immobilienexperte: „Mit ihrer Hilfe könnte eine Zwangsversteigerung betrieben und das Gebäude von der Stadt erworben werden.“ Doch darin sieht er das Problem: „Stadt und Kommunalpolitik haben offen-sichtlich kein Interesse, das Gebäude zu erwerben und herzurichten.“