Aktuell

Das große Scheitern

Archivartikel

Erst die Deutschen, dann Argentinien und Portugal – und nun auch seit gestern Abend Ex-Weltmeister Spanien. Diese Fußball-Weltmeisterschaft wird ähnlich wie die in Japan und Südkorea 2002 als Turnier des Favoritensterbens in die Geschichte eingehen. Denn wann war es schonmal so, dass vier hoch gehandelte Teams nach dem Achtelfinale die Heimreise antreten mussten?

Dabei schien es zunächst ein Fest des Cristiano Ronaldo zu werden. Der Portugiese in Diensten von Real Madrid hatte nach zwei Spielen vier Tore auf dem Konto – was sollte da noch schief laufen? Doch das faszinierende am Fußball bleibt, um eine Binsenweisheit zu bemühen: Erstens kommt es anders – und zweitens, als man denkt.

Nun wird diese WM eher von den Mbappés oder Modrics oder Cavanis dominiert werden. Und wer weiß: Vielleicht müssen wir uns auch noch den einen oder anderen schwer auszusprechenden russischen oder japanischen Namen merken, den wir als interessierte Fußball-Freunde bisher nicht auf unserer Liste hatten.

Vor allem für Gastgeber Russland, der sich tapfer und beeindruckend inzwischen ins Viertelfinale gespielt und gekämpft hat, scheint diese WM schon jetzt ein Gewinn. Schließlich haben die Russen die Spanier gestern im ersten Elfmeterschießen des Turniers hinausgeworfen. Eine WM gewinnt vor allem auch, wenn der Gastgeber in seinem Land – in dem Fußball normal weit hinter dem Eishockey in der Beliebtheit platziert ist – lange am Ball bleibt. Wie das geht, hat der Außenseiter und Gastgeber gestern eindrucksvoll demonstriert.