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Der Betonmischer bleibt aus

Verbandsliga Nordbaden: Nach dem Aufstieg vertraut der FV Lauda seiner eingespielten Mannschaft

Absolut verdient ist die Rückkehr des Landesliga-Meisters FV Lauda in die Verbandsliga Nordbaden, aus der die Eisenbahnstädter 2017 abgestiegen waren. Dass man im Umfeld der Mannschaft diesen konsequent erarbeiteten Erfolg mit einem lachenden und weinenden Auge sieht, verwundert indes nicht.

Einerseits durfte FV-Präsident Gerhard Schmetzer in der jüngsten Mitgliederversammlung dank tatkräftiger Unterstützung eines harten Kerns ehrenamtlicher Helfer einen mittlerweile schuldenfreien Verein präsentieren, andererseits ist eine Runde in der Verbandsliga kaum geeignet, dem FV den zusätzlich erforderlichen Spielraum zu verschaffen, der für notwendige Investitionen im Tauberstadion erforderlich wäre. Denn die traditionsreiche Spielstätte ist sichtbar in die Jahre gekommen.

Nachtrauern wird der Kassier den vielen Stadt- und Nachbarschaftsduellen, die in der Landesliga für stattliche Zuschauerkulissen sorgten. Doch FV-Präsident Gerhard Schmetzer ist optimistisch (siehe Interview ).

Sportlich ist ein Aufschwung unverkennbar. Vor allem in der Rückrunde der Landesliga wirkte die Mannschaft wesentlich reifer und war selbst bei einem Rückstand nicht aus der Ruhe zu bringen. So hat sich die Mannschaft in sportlicher Hinsicht ihre Chance verdient, mit dem Aufstiegskader, der nahezu komplett dem FV die Treue hielt, auch in der Verbandsliga bestehen zu können. Der in der badischen Torschützenliste (von der Kreisliga bis in die Regionalliga) mit 34 Treffern auf Rang 18 notierte Goran Jurjevic will mit einer eingespielten Mannschaft auch in der Verbandsliga seine Treffsicherheit einbringen.

Das Spielertrainer-Duo Marcel Baumann und Dominik Gerberich, unterstützt an der Seitenlinie von Serder Can und Michael Wendel, muss die nur zum Teil verbandsliga-erfahrene Mannschaft auf robustere Gegner und geringere Ballbesitzzeiten einstellen. „Zum Trost“ wird sie nicht mehr so stark gefordert sein, das Spiel unbedingt machen zu müssen. Jetzt sind es eher vertauschte Rollen, denn zwangsläufig wird nun der FV etwas tiefer stehen müssen. Aber der Landesliga-Meister scheint gewappnet zu sein, um auch unvermeidliche Rückschläge zu verkraften.

Die Vorbereitung lief nach Plan; für den Beobachter erstaunlich hoch war die Trainingsquantität, denn im Schnitt nahmen 19 Spieler an den vier Einheiten pro Woche teil. Diesen Eindruck verstärkte Trainer Baumann noch: „Die Jungs ziehen super mit, und wir haben neben der harten Arbeit an der Grundlagenausdauer auch sehr viel Spaß in den einzelnen Einheiten. Wir versuchen immer, optimal zu trainieren, nie maximal. In den letzten Wochen haben wir an spielerischen Komponenten gearbeitet.“

Vorteile verspricht sich Marcel Baumann davon, das Trainerteam mit Michael Wendel und Serger Can erweitert zu haben. Mit Can schnürten er und Dominik Gerberich in der Spielzeit 2008/09 die Kickschuhe beim FVL. Beide sind froh, dass sie an der Seitenlinie unterstützt werden: „Gerade in Situationen, wenn wir beide auf dem Platz stehen, finden wir es wichtig, jemanden an der Seite zu haben, der die Anweisungen weitergibt und das Spiel von außen betrachtet.“

Wie die Neuzugänge einzuordnen sind, erläutert Marcel Baumann mit gewohnter Präzision: „Mit den beiden externen Neuzugängen Kaplan und Sen haben wir zwei unserer Wunschspieler bekommen. Kaplan zeigt seit seinem ersten Training, dass er weiß, wo das Tor steht und strahlt zudem eine gewisse Leichtigkeit und Spielfreude aus, die ich bei Offensivspielern sehr schätze. Sen ist mit seinen 21 Jahren schon sehr spielintelligent. Er kann seine Mitspieler sehr gut in Szene setzen und hat überdurchschnittliche technische Fähigkeiten. Beide sind top ausgebildet und – was noch viel wichtiger ist – sie wollen! Viele talentierte Spieler scheuen sich mittlerweile, sich der Herausforderung Verbandsliga zu stellen, bzw. den Konkurrenzkampf anzunehmen. Aus der eigenen Jugend möchten wir den beiden Spielern Ebrahim Jallow und Marvin Müller die Chance bieten, sich recht schnell im Seniorenfußball einzuleben. Unser fünfter Neuzugang Patyak aus der Ukraine hat schon Profiluft geschnuppert und ist mit seinen 32 Jahren natürlich ein echter Routinier im Mittelfeld.“

Heimstärke angestrebt

Auch wenn die Trauben in der Verbandsliga höher hängen: Der Betonmischer für die Defensive bleibt aus. Vielmehr sollen das Selbstbewusstsein und die spielerische Überlegenheit, die der FVL in der Landesliga hatte, auch in den Spielen der Verbandsliga eingebracht werden. Baumann: „Natürlich werden neben den spielerischen Komponenten noch mehr das Defensivverhalten und das Umschaltspiel gefragt sein. Aber wir wollen weiterhin versuchen, die spielbestimmende Mannschaft zu sein. Wir werden uns sicherlich nicht hinten rein stellen, nur verteidigen und auf Konter warten; das ist nicht meine Philosophie, und das wollen die Jungs auch nicht.“ Eindeutig ist auch seine Ansage, die alle Fußballfreunde der Region freuen dürfte: „Wir wollen gerade zu Hause selbstbewusst und spielbestimmend auftreten. Es soll wieder schwer werden, Punkte bei uns mitzunehmen.“