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Weinheim Karl-Heinz Schäfer, Chef der „Rhein-Neckar Rhythm & Brass“, gibt Leitung ab

Der Lenker und Zeichengeber

Peter Herbolzheimer, eine Größe unter Jazz-Komponisten und Arrangeuren, war ihm zu dessen Lebzeiten ein Freund, doch seinen Stil – egal ob als Solist oder Bandleader – hat Karl-Heinz Schäfer selbst entwickelt. 25 Jahre Big Band-Arbeit in Weinheim und der Region trägt seinen Stempel. „Zeit aufzuhören“, meint Schäfer, der heute seinen 66. Geburtstag feiert. Am Freitag, 15. Dezember, gibt er in Weinheim um 20 Uhr in der Aula der Hans-Freudenberg-Schule sein Abschiedskonzert in Weinheim.

Manchmal fragen ihn Freunde, was er auf der Bühne eigentlich macht? „Sie denken, ich müsste die ganze Zeit vor dem Orchester herumspringen und dirigieren. Das ist Quatsch. Die eigentliche Arbeit erfolgt in den Proben. Dann muss ich nur noch lenken und Zeichen geben. Das Orchester läuft für sich“, sagt er.

Karl-Heinz Schäfer ist ein Frühstarter und zugleich ein Spätberufener: 1951 in Mannheim geboren, kommt er früh durch seine Tante mit Rock’n’Roll und später mit Beat in Berührung. 1967 sieht er in München die Beatles live auf der Bühne. Schäfer: „Das Gekreisch der Mädels war wirklich ohrenbetäubend.“ Bereits 1965 kauft er sich sein erstes Saxofon bei „An- und Verkauf“ in Mannheim. Mit einem Freund unternimmt er erste musikalische Gehversuche, unter anderem in der Band „Handmade“ in Mannheim. Schäfer bringt sich auch Schlagzeug und Bass bei, doch seinen ersten Saxofonunterricht hat er erst 1978, im Alter von 27 Jahren, bei Thomas Böhmer an der Musikschule in Weinheim. Von da an fasst er Fuß in der Zweiburgenstadt. Er beginnt 1981 in Karlsruhe das Studium zum Diplom-Musiklehrer. Ab 1983 ist Karl-Heinz Schäfer selbst Lehrer an der Musikschule Badische Bergstraße in Weinheim, arbeitet sich bis zum stellvertretenden Schulleiter hoch.

Kontinuierliches Arbeiten kennzeichnet auch seine Entwicklung in Richtung Big Band. Das Saxofon-Quartett der Musikschule war sozusagen Vorläufer. Es entwickelte sich zum Quintett, dann kamen Bass und Schlagzeug dazu, ehe 1993 die erste Big Band der Musikschule Weinheim unter Leitung von Karl-Heinz Schäfer auftrat. Das Debüt erfolgte auf dem Weinheimer Marktplatz, und 1994 erschien die erste CD.

Karl-Heinz Schäfer beherrscht das Kunststück, immer wieder neue Musikerinnen und Musiker für die Band zu begeistern, denn bedingt durch Studium oder Berufswechsel ist die Fluktuation von ambitionierten Amateur- und Berufsmusikern zwischenzeitlich enorm. Wer mitmacht, wird als Musiker von weiteren Meilensteinen belohnt. Die CD „Brasserie“ lässt im Jahr 2000 aufhorchen. Es folgen Workshops mit Peter Herbolzheimer, und auf der dritten CD „Third Step“ wirkt 2012 sogar Jazz-Organistin Barbara Dennerlein mit. Auch Posaunist Joe Gallardo arbeitet mit der Rhein-Neckar Rhythm & Brass, die längst zu einem musikalischen Botschafter des Kreises geworden ist und diese Rolle bei Reisen mit Konzerten in Schweden, Frankreich oder Italien glänzend ausfüllt.

Ab 2011 wird der Band-Sound durch die ausdrucksstarke Stimme von Sängerin Michelle Walker verstärkt. Ihren Part hat inzwischen Isabel Haist übernommen – so auch beim Konzert am 15. Dezember, wo die 17 Musikerinnen und Musiker neben Stücken von Herbolzheimer und Hancock auch mit „Body and Soul“ ein brandneues Stück im Programm bieten werden. Schäfer: „Was zum Zunge schnalzen.“

Und wie geht es nach Karl-Heinz Schäfer mit der Band weiter? „Sie ist dabei, einen Verein zu gründen und ist auf der Suche nach einem Leiter. Das hat den Vorteil, dass die Musiker als Vereinsmitglieder immer selbst über den Leiter bestimmen können“, sagt er und fügt lächelnd hinzu: „Bisher war ich immer ganz einfach der Chef.“ dra