Aktuell

Gruppe H Senegal bekommt vor der Partie gegen Japan Unterstützung aus ganz Afrika

Der Traum vom großen Coup

Archivartikel

Moskau.Ein bisschen war es wie 2002. Die Spieler hüpften und tanzten ausgelassen über den Rasen – und mittendrin war wieder Aliou Cissé. Damals als Kapitän der WM-Neulinge, die den amtierenden Weltmeister Frankreich im Eröffnungsspiel düpierten. Diesmal beim WM-Comeback als Trainer, der die „Löwen von Teranga“ beim WM-Comeback zu einem 2:1 (1:0) gegen Polen am Dienstag in der russischen Hauptstadt führte.

Vergleiche wollte Cissé aber nicht anstellen. „Der Sieg gegen Frankreich hatte einen besonderen Geschmack. Es gibt eine gemeinsame Geschichte mit Frankreich. Es ist das Land, das den Senegal kolonisiert hat. Ein Land, das uns viel gab, das uns ausgebildet hat. Außerdem war es das Eröffnungsspiel, es war außergewöhnlich“, sagte Cissé und kehrte zurück in die Gegenwart: „Der Sieg gegen Polen war aber genauso wichtig.“

Präsident gratuliert

Wichtig für Senegal und auch wichtig für Afrika, nachdem Ägypten, Marokko, Nigeria und Tunesien allesamt mit Niederlagen in das Turnier gestartet waren. Das Team habe gemeinsam alle vorigen Partien der afrikanischen Teams angeschaut, berichtete Neapels Verteidiger Kalidou Koulibaly. „Wir haben die Fahne von Afrika und Senegal aufrecht gehalten. Und wir haben nicht vor, hier aufzuhören. . .“

Von der Unterstützung „ganz Afrikas“ berichtete auch Coach Cissé. „Sie sind stolz auf uns und wir sind stolz. Die anderen vier Teams werden auch wieder aufstehen. Es steckt große Qualität in den Mannschaften“, sagte der 42-Jährige, der vor dem Spiel seine Überzeugung ausgedrückt hatte, dass irgendwann eine afrikanische Mannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen wird.

Staatschef Macky Sall würde das gern schon in diesem Jahr erleben, öffentlich hat er vom Titelgewinn geträumt. Der Präsident ließ es sich auch nicht nehmen, den Spielern persönlich zu gratulieren, freudestrahlend gaben Senegals Sportminister und diverse andere Politiker Interviews in den Katakomben des Stadions.

Aggressiver Konterstil

Die Titelträume des Staatschefs gehen Coach Cissé aber zu weit. Es brauche Zeit. „Es ist sehr kompliziert. Wir haben in Afrika Realitäten, die es woanders nicht gibt.“ Der Coach hat nur das Weiterkommen als Ziel. „Wir werden jetzt nicht verrückt. Wir bleiben konzentriert und bereiten uns genauso auf das Japan-Spiel vor“, sagte der 42-Jährige.

Zweifelsohne hat seine Mannschaft die Qualität, um das Achtelfinale des Turniers zu erreichen. Angeführt wird das Team von Liverpool-Star Sadio Mané, der den Unterschied ausmachen kann. Ansonsten zeichnet sich die Mannschaft durch Robustheit und einem aggressiven Konterstil aus. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie weit wir kommen können in diesem Turnier“, warnte Mané. „Wir haben erst noch zwei sehr wichtige Spiele.“

Vor 16 Jahren waren die Senegalesen unter Bruno Metsu bis ins Viertelfinale vorgedrungen. Der Erfolgstrainer von einst ist 2013 an Krebs gestorben. „Ich bin sicher, dass er uns zuschaut“, sagt Cissé.