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Finanzen Rekordsummen für den WM-Champion und die Ausrichtung der Titelkämpfe / Fernsehrechte bringen am meisten ein

Die Geldmaschine der Fifa

Moskau.Auch wenn längst nicht alle Sponsoren-Pakete verkauft sind: Die Fußball-WM in Russland ist wie ihre Vorgänger eine wahre Geldmaschine. Es wird die teuerste WM aller Zeiten und der Weltmeister kann sich auf eine Rekordsumme freuen.

Nicht nur auf den meisten Schulhöfen ist es in diesen Tagen das größte Thema: Sammelbilder für die Fußball-WM tauschen. 90 Cent kostet dieses Mal das Tütchen mit fünf Bildern, das ist eine satte Steigerung von 50 Prozent gegenüber der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Wer sein Panini-Album füllen will, braucht 682 Klebebildchen und muss somit mindestens gut 130 Euro ausgeben. Ein gutes Geschäft für die deutsche Tochter des Panini-Verlags, die im EM-Jahr 2016 laut Statista 108,66 Millionen Euro Umsatz mit ihren Sammelalben erwirtschaftet hat. 2018 dürften es wegen der drastisch erhöhten Kosten für die Tütchen noch deutlich mehr werden, wovon natürlich auch der Fußball-Weltverband Fifa profitiert. Die Föderation kassiert deutlich höhere Lizenzgebühren.

Insgesamt plant die Fifa in der 2018 endenden Vierjahresperiode mit 5,66 Milliarden Dollar Umsatz. Den Löwenanteil davon bringt die Vermarktung der WM in Russland. 53 Prozent des Fifa-Budgets stammen aus dem Verkauf der Fernsehrechte. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF bezahlen die Rekordsumme von 218 Millionen Euro für die Übertragungen der Spiele aus Russland – noch einmal acht Millionen mehr als bei der WM 2014. Mit Blick auf die überragenden Zuschauerzahlen dürften sich die Investitionen rechnen: Beim WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien schauten 34,65 Millionen Zuschauer zu.

Umsatzziele gelten als erreicht

26 Prozent des Fifa-Umsatzes kommen aus dem Verkauf der Marketingrechte, der freilich für Russland höchst schleppend verlaufen ist. Erst die Hälfte der verfügbaren Pakete wurde verkauft, weil das Image der Fifa unter dem Korruptionsskandal schwer gelitten hat und sich einige prominente Partner (Emirates, Castrol etc.) verabschiedet haben. Da die Premium-Kategorie mit sieben Fifa-Partnern gut besetzt ist – pro Jahr zahlt jeder Sponsor etwa 32 Millionen Euro – gelten die Umsatzziele für die WM trotzdem schon als nahezu erreicht.

Zum Fifa-Umsatz tragen zudem der Verkauf von Lizenzrechten (Merchandising wie die Panini-Bilder), Hospitality-Einnahmen und der erhoffte Verkauf von mindestens 1,2 Millionen Tickets bei. Eintrittskarten gibt’s für Ausländer ab 105 Dollar – Russen bezahlen deutlich weniger.

Das hängt mit dem deutlich niedrigeren Lohnniveau im größten Land der Welt zusammen. Was Präsident Wladimir Putin trotzdem nicht abgehalten halt, die teuerste Weltmeisterschaft aller Zeiten als weltpolitisches Prestigeobjekt zu organisieren. Offiziell wurden für Stadien und Infrastruktur zehn Milliarden Euro ausgegeben, inoffiziell dürfte es deutlich mehr gewesen sein. Die Investitionen in den Vorbereitungsjahren seit 2013 trugen ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Russlands bei.

Der Vorsitzende des Organisationskomitees, Vizeministerpräsident Arkadi Dworkowitsch, und WM-Generalsekretär Alexej Sorokin haben kurz vor der WM eine Studie zu den erwarteten wirtschaftlichen Auswirkungen vorgestellt. Der Tourismus nach der WM soll in den kommenden fünf Jahren je 150 Zusatzeinnahmen zwei bis drei Milliarden Euro bringen.

In jedem Fall lohnenswert wird die Fußball-WM für die Teams sein. Die Fifa schüttet ein Rekordpreisgeld von 400 Millionen Dollar (nach 358 Millionen bei der WM 2014) aus. Der WM-Titel bringt 38 Millionen Dollar – das sind drei Millionen mehr, als Deutschland bei seinem Triumph vor vier Jahren kassiert hat.