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Viertelfinale Frankreichs Stürmerstar spielt beim souveränen 2:0-Erfolg groß auf und untermauert die Ambitionen auf den Titel

Griezmann stoppt Uruguay

Archivartikel

Nischni Nowgorod.Erst weit nach dem Abpfiff fiel die ganze Last von Antoine Griezmann ab. Ausgerechnet gegen seine zweite Liebe Uruguay wurde der wendige Stürmer von Atlético Madrid mit einem Tor und einem Assist zum Matchwinner. „Ich habe deshalb nicht gejubelt, weil ich früher von einem Trainer in Uruguay unterstützt wurde. Ich habe großen Respekt vor Uruguay. Für mich war es normal, nicht zu jubeln“, sagte Griezmann unmittelbar nach dem 2:0, das die souveränen Franzosen einen weiteren Schritt näher an den möglichen zweiten WM-Titel nach 1998 brachte.

So ballte der 27-Jährige erst nach Schlusspfiff beide Fäuste in die Kameras und bejubelte den ersten WM-Halbfinaleinzug Frankreichs seit 2006. „Wir haben ein Team, das jedem Gegner weh tun kann. Wenn wir uns auf unser Spiel konzentrieren, haben wir großartige Chancen auf den Sieg“, sagte Griezmann. Nach der Partie in Nischni Nowgorod umarmte er seine Kumpels und Freunde aus Uruguay fast schon entschuldigend, zuvor hatte er auch dank eines schweren Fehlgriffs von Uruguays Torwart-Routinier Fernando Muslera (61.) die Vorentscheidung mit einem Distanzschuss herbeigeführt. Das Führungstor von Raphaël Varane bereitete er mustergültig vor.

„Es ist wunderbar. Wir haben eine weitere Etappe genommen, die wir vor vier Jahren nicht geschafft haben. Jetzt wollen wir bis zum Ende dabei sein. Wir müssen weitermachen, nicht aufhören. Unser Ziel ist nicht das Halbfinale“, sagte Frankreichs Mittelfeld-Motor Paul Pogba, der für sein außerordentlich großes Selbstbewusstsein bekannt ist. Ohne den verletzten Edinson Cavani lieferte Uruguay zwar einen großen Defensivkampf, kam aber zu keinerlei Entlastung und kaum Chancen in der Offensive.

Zum sechsten Mal im Halbfinale

„Mir fehlen fast die Worte“, sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps. „Ich bin sehr, sehr stolz auf meine 23 Spieler.“ Vier Jahre nach dem Viertelfinal-Aus gegen die DFB-Elf in Brasilien erreichte Frankreich zum sechsten Mal ein WM-Semifinale. Gegner am Dienstag ist Belgien, das sich 2:1 gegen Brasilien durchsetzte. Einen Wunschgegner habe er nicht, sagte Deschamps.

Das Rätsel um Cavani wurde erst eine Stunde vor dem Anpfiff gelöst. Die elf Spieler, die Trainer-Maestro Óscar Tabárez auf den Platz schickte, wollten es ohne ihren Achtelfinal-Doppeltorschützen erst recht wissen. Doch es fehlten Inspiration, Spielfreude und die Mittel, um Frankreich zu schlagen. Griezmann unterhielt sich nach der Partie länger mit dem an der Wade verletzten Cavani, drückte auch seine Atlético-Kumpels Diego Godin und José María Giménez. „Ich liebe Uruguays Kultur und Uruguay als Land“, verdeutlichte der „Man of the Match“ noch einmal ausdrücklich.

Uruguays Trainer Tabárez, mit 71 Jahren der älteste Coach bei dieser WM, ließ seine Zukunft unmittelbar nach dem Aus offen. „Ich kenne nicht ein Beispiel, in dem der Trainer über seine Zukunft entscheidet. Ich habe einen Vertrag, es ist nicht an mir zu entscheiden, wie es weitergeht. Ich möchte so etwas nicht kommentieren, auch heute nicht“, sagte der Coach.