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Könige der Zusatzschicht

Zugegeben, auf dem Weg ins Finale war ein bisschen Glück dabei. Zwei Mal setzte sich die kroatische Mannschaft bei der WM erst im Elfmeterschießen durch. Und doch hat sich das Team das Endspiel verdient. Drei Mal mussten die Kroaten in die Verlängerung, drei Mal gewannen die Balkan-Fußballer. Sie sind die Könige der Zusatzschicht, weshalb außer Frage steht: Wer so viel Herz und Hingabe zeigt, wer sich so aufopfert, der gehört belohnt. Und nicht zuletzt hatte der WM-Finalist in diesem Turnier mehr zu bieten als der auf Standardsituationen spezialisierte, aber offensiv und spielerisch doch recht limitierte Halbfinal-Rivale England.

Dass nun Frankreich und Kroatien im Finale stehen, ist sinnbildlich für diese WM. Erfolgreich waren die Mannschaften, die sich als Einheit präsentierten, ihre Stars in Topform hatten und diese in ein funktionierendes Gefüge einbauten. Das gilt für England mit Harry Kane, für Belgien mit Kevin De Bruyne, für Frankreich mit Antoine Griezmann und Kroatien mit Luka Modric. Die Gegenbeispiele lauten Argentinien mit Lionel Messi und Brasilien mit Neymar. Bei beiden südamerikanischen Vorzeigeteams fanden die Trainer keine Lösungen, ihre Ausnahmekönner in ein Gesamtgerüst einzubauen. Und bei den Deutschen stimmte einfach gar nichts.

Gewiss: Die Kroaten gehen als Außenseiter in das Finale. Aber auch sie bringen neben ihrer Cleverness reichlich Qualität mit, ihre Leistungsträger Modric, Ivan Rakitic und Mario Mandzukic stehen bei absoluten Topclubs unter Vertrag. Gepaart mit der unbändigen Leidenschaft kann es für die Franzosen sehr unangenehm werden. Denn schon oft genug war der Charakter – und nicht die Klasse entscheidend.

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