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Gruppe D Island muss gegen Kroatien gewinnen und Nigeria darf nicht gegen Argentinien siegen – sonst ist die WM vorbei

Mit Optimismus zum Erfolg

Archivartikel

Rostow am Don.Gibt es das letzte Huh bei der WM in Russland oder wie bei der EURO 2016 wieder ein isländisches Fußball-Wunder? Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Kroatien lässt Islands Trainer Heimir Hallgrímsson bei dieser Frage keine Zweifel aufkommen. „Wir Isländer sind sehr optimistische Menschen. Wir glauben auch, den Eurovision Song Contest gewinnen zu können, obwohl wir noch nie im Finale waren“, sagte Hallgrímsson mit einem Schmunzeln.

Die wackeren Kicker aus dem hohen Norden Europas wollen erneut für Furore sorgen. Druck verspüren sie ohnehin nicht. „Wenn Argentinien, Portugal oder Deutschland in der Vorrunde ausscheiden, wäre das für die ein Schock. Für uns nicht“, sagte Hallgrímsson. „Wenn wir weiterkommen, wäre das der größte Triumph in unserer kurzen Fußball-Geschichte.“

Um dies zu schaffen, muss gegen die bereits für die K.o.-Runde qualifizierten Kroaten am Dienstag (20 Uhr MESZ/One) in Rostow am Don zwingend ein Sieg her. „Das ist ein Endspiel für uns. Wir gehen all in“, sagte Co-Trainer Helgi Kolvidsson. Selbst bei einem Erfolg sind die Isländer aber vom Ausgang des zeitgleichen Spiels Argentinien gegen Nigeria abhängig, das die Afrikaner auf keinen Fall gewinnen dürfen. Bei einem Remis oder einem Sieg der Südamerikaner gibt das Torverhältnis den Ausschlag.

„Ich bin kein Mathematiker, ich habe unsere Chancen nicht durchgerechnet. Aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen“, sagte Torwart Hannes Thór Halldórsson, der beim 1:1 gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi pariert hatte.

Coach Hallgrímsson setzt im Gruppenfinale auch auf den Sympathie-Bonus. „Wir müssen alles nutzen, was wir kriegen können. Ich hoffe, dass die Leute in Rostow uns mehr unterstützen als Kroatien - auch, weil die die Unterstützung gar nicht mehr brauchen“, sagte er. Die Hoffnung ist nicht unbegründet: Drei seiner Spieler stehen beim FK Rostow unter Vertrag.

„Einen Job zu erledigen“

Ihre Zuversicht haben die Isländer auch durch das 0:2 gegen Nigeria nicht verloren. „Wir haben einen Job zu erledigen“, sagte Kapitän Aron Gunnarsson. „Wir wollen einen großen Kampf liefern und hoffen auf ein gutes Ergebnis.“ Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die Kroaten wollen alle Spieler schonen, die im Turnier verwarnt wurden. Das sind Ivan Rakitic, Sime Vrsaljko, Anté Rebic, Mario Mandzukic und Marcelo Brozovic. Zudem könnte Trainer Zlatko Dalic auch Mittelfeld-Ass Luka Modric vom Champions-League-Sieger Real Madrid eine Pause gönnen. Hallgrímsson misst dem aber keine große Bedeutung bei: „Das macht keinen Unterschied, Kroatien bleibt eine starke Mannschaft. Und frische Spieler, die zeigen wollen, was sie können, sind immer gefährlich.“

Beide Teams kennen sich noch bestens aus der WM-Qualifikation. „Wir sind wie ein Ehepaar“, sagte Hallgrímsson, „wir versuchen, uns scheiden zu lassen, treffen aber immer wieder aufeinander.“ Wie vor einem Jahr beim 1:0-Sieg, durch den sich die Isländer auf direktem Weg erstmals das Endrundenticket sicherten, hofft er auf ein Happy End.