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Frankreich Junge Elf von Didier Deschamps am Anfang einer Ära / Motivation aus der Heimat

Nach den Südamerika-Tagen jetzt die Bewährungsprobe

Istra.Der Staatspräsident kommt, Paris bereitet die erste Public-Viewing-Party vor – mit gehöriger Extra-Motivation aus der Heimat wollen Frankreichs WM-Helden ihre „Grand Tour“ in Russland fortsetzen. Erstmals will die Équipe Tricolore nun auch den WM-Titel außerhalb des eigenen Landes holen.

„Der Unterschied zwischen einer guten und einer großen Mannschaft sind Spiele wie ein Halbfinale und ein Finale. Wir wollen eine große Mannschaft sein“, sagt Corentin Tolisso vom FC Bayern. Dafür muss die Auswahl der Grande Nation nach den erfolgreichen Südamerika-Tagen mit Siegen über Peru (Gruppenphase), Argentinien (Achtelfinale) und Uruguay (Viertelfinale) am Dienstag (20 Uhr) in St. Petersburg aber erstmal den kleinen, aber fußballerisch exzellenten Nachbarn Belgien aus dem Weg räumen. „Das Schwerste kommt jetzt erst noch“, meint Offensiv-Blitz Kylian Mbappé. „Noch haben wir nichts erreicht“, pflichtet Paul Pogba bei. „Unser Ziel ist nicht das Halbfinale.“

„Les Bleus“ funktionieren als Team

Vor 20 Jahren hielt Didier Deschamps als Kapitän die WM-Trophäe in den Himmel über Paris, am kommenden Sonntag könnte er als Dritter nach Franz Beckenbauer und dem Brasilianer Mario Zagallo das Kunststück fertig bringen, als Spieler und Trainer Weltmeister zu sein. „Wir sind noch eine Woche hier“, sagte der 49-Jährige mit breitem Grinsen nach dem 2:0 über Uruguay.

Doch er weiß genau wie seine Spieler: Jetzt wird es richtig ernst. In der Gruppenphase spielte der Vizeeuropameister nicht auf seinem Top-Level, gegen die Argentinier ließen sie drei Gegentore zu, der Auftritt gegen Uruguay deutete aber das Potenzial der jungen französischen Mannschaft an, die am Anfang einer großen Ära stehen könnte.

Im Tor zeigte Kapitän Hugo Lloris eine tadellose Leistung, Antoine Griezmann bestätigte, dass er wie bei der EM vor zwei Jahren in den K.o.-Spielen mehr und mehr aufdreht. Und die mit herausragenden Spielern gespickte Mannschaft funktioniert vor allem als Team. „Teuflisch“, schrieb daher bereits die „L’Équipe“ – auch als Vorgriff auf das Duell mit den Roten Teufeln, für das sich Staatschef Emmanuel Macron angekündigt hat und in Paris erstmals bei der WM vorm Rathaus Public Viewing angesagt sein wird.

Macron will mit der Mannschaft, die er mit einem klaren Auftrag nach Russland entlassen hatte – „Ein Wettkampf ist dann gelungen, wenn er gewonnen wird. Bringt uns zum Träumen“ – vor Ort mitfiebern.

„Das gibt uns natürlich noch maleine Portion Extra-Motivation“, sagt Abwehrspieler Raphaël Varane. Von einer Favoritenrolle für die Franzosen bei der verbleibenden Europameisterschafts-WM in Russland will der 25-Jährige allerdings nichts wissen: „Ich denke, es gibt keinen Favoriten.“