Aktuell

Achtelfinale 5 Brasilien erwartet Mexikaner / Mittelamerikaner um Kapitän Andres Guardado gehen gelassen ins Spiel gegen den fünffachen Weltmeister

Neymar nimmt langsam Fahrt auf

Archivartikel

Sotschi.Neymar ist so gut drauf, was soll denn jetzt noch schiefgehen? Der Superstar der Brasilianer lacht ausgelassen wie noch nie bei dieser WM in Russland. Er postet Videos und Fotos mit seinem kleinen Sohn, der sogar beim Training der Seleção mitspielen durfte. Vor dem Achtelfinale des favorisierten Rekord-Weltmeisters gegen Mexiko heute kommt der 26-Jährige auch fußballerisch immer besser in Form. Er sei ein Spieler „von einer anderen Welt“, sagt sein Mitspieler Casemiro: „Kein Zweifel, Neymar kann ein Spiel in jedem Moment verändern.“ Auf dem Weg zum sechsten WM-Titel könnte es beim teuersten Fußballer der Geschichte gerade kaum besser laufen.

Vielleicht hat Neymar tatsächlich verstanden. Anders als bei den ersten beiden WM-Spielen gegen die Schweiz (1:1) und Costa Rica (2:0) war er zuletzt gegen Serbien (2:0) nicht durch schauspielerische, sondern allein durch seine fußballerischen Fähigkeiten aufgefallen. Nach seiner mehrmonatigen Verletzungspause nähert sich der Angreifer von Paris Saint-Germain seinem alten Niveau. „Der beste Neymar“, titelte zuletzt Brasiliens größte Mediengruppe Globo auf ihrer Internetseite. Es fehlt zumindest nicht mehr viel bis dahin. Mexiko soll für den 222-Millionen-Euro-Stürmer nun lediglich der nächste Schritt auf dem Weg zum goldenen WM-Pokal sein.

Aber so gut die Stimmung bei der Seleção derzeit auch ist, die Brasilianer geben sich demütig. „Das Trikot gewinnt keine Spiele. Das sehen wir am Beispiel Deutschlands“, sagte Real Madrids Champions-League-Sieger Casemiro. Daher wollten er und seine Teamkollegen sich auch nicht davon beeinflussen lassen, dass „alle Welt uns als Favorit“ bezeichne. „Wir müssen unseren besten Fußball spielen, um Mexiko zu schlagen.“ Und mit dem „besten Neymar“ stehen die Chancen nicht schlecht, dass das klappt.

Angst macht die aufsteigende Formkurve des Superstars den Mexikanern keine. Natürlich kenne er Neymar, meinte Kapitän Andrés Guardado, aber es obliege ihm ja nicht, ihn zu beurteilen. Machte Guardado dann aber doch. „Wir wissen, dass es ihm gefällt, zu übertreiben und sich oft fallen zu lassen. Das ist sein Spielstil“, sagte der 31-Jährige. Es sei dann die Aufgabe der Schiedsrichter, dies zu erkennen.

Frankreichs Ex-Nationalspieler Eric Cantona machte sich erneut über Neymar lustig. Nachdem Cantona vor einigen Tagen dessen Frisur mit Spaghetti verglichen hatte, gab er in einem weiteren Internetvideo nun einem gelben Rollkoffer den Namen Neymar: Den müsse man nur leicht berühren, trotzdem drehe er sich dann wie wild.

Neymar wird auch im Anschluss an das Spiel gegen die Mexikaner die Schlagzeilen in seiner Heimat bestimmen. Er wird daran gemessen werden, worauf sich diese Schlagzeilen beschränken. Konzentriert sich der 26-Jährige auf sein Spiel, zählt er zu den besten Spielern der Welt. Macht er das nicht, kann er schnell zu einem der nervigsten werden. Auch seinem Nationaltrainer Tite gefällt die Theatralik nicht. Öffentlich kritisieren würde der Coach seinen Star jedoch nie.

Der 57-Jährige hat es geschafft, die Abhängigkeit der Seleção von ihrem Superstar zu verringern und ihn trotzdem unverzichtbar zu machen. Und Tite weiß: Egal wie das Spiel verläuft und egal wie oft Neymar hinfallen wird – den Unterschied kann er immer ausmachen.

Derweil meldete sich auch die brasilianische Fußball-Legende Pele zu Wort. Der vierfache WM-Teilnehmer von 1958, 1962, 1966 und 1970 hat Frankreichs Doppeltorschützen Kylian Mbappé (19) zumindest in einer Kategorie auf eine Stufe mit sich selbst gestellt. „Gratuliere @KMbappe“, schrieb Pelé am Wochenende auf Twitter. „Zwei Tore so jung bei einer WM, damit bist du in bester Gesellschaft! Viel Glück bei Deinen weiteren Spielen. Außer gegen Brasilien!“ Mit zwei Treffern beim spektakulären 4:3-Sieg im WM-Achtelfinale über Argentinien schoss der 19 Jahre alte Jungstar sein Team am Samstag ins Viertelfinale und ist zugleich auch der zweitjüngste Doppeltorschütze einer WM nach Pelé 1958 in Schweden. Pelé war damals 17, als er im Halbfinale gegen Frankreich einen Hattrick erzielte.

Einen Vergleich mit dem großen Pelé hatte Mbappé kurz zuvor zurückgewiesen. „Pelé ist eine andere Kategorie“, sagte er. „Aber es ist schmeichelhaft, zu diesem Club zu gehören.“ Als Fußball-Legende sieht sich Mbappé noch nicht. dpa

Zum Thema