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Sehnsucht nach Attraktivität

Verbandsliga Württemberg: FSV Hollenbach will verjüngt und mit neuem Trainer in Spitzengruppe

Der Umbruch ist klar ersichtlich. Er fiel vor dieser Saison auch etwas größer aus als man es vom FSV Hollenbach gewohnt ist. Die Mannschaft wurde weiter verjüngt. Mit Boris Nzuzi, Nico Nierichlo und Sebastian Walz verließen drei gestandene Spieler den Verein. Nachgelegt wurde in erster Linie mit jungen Spielern. So kommt das Team nun auf ein Durchschnittsalter von 22,55 Jahren.

Neben den externen Neuzugängen Markus Herkert, Torben Götz und Robin Dörner wurden Lorenz Minder, Sebastian Hack und Len Brutzer aus der eigenen A-Jugend übernommen. Die Durchlässigkeit aus der A-Jugend zum Aktivenbereich soll weiter so groß wie möglich sein.

„Jetzt zu sagen, dass wir aufsteigen müssen, wo wir einige Routiniers verloren und die Mannschaft verjüngt haben, wäre verrückt“, sagt Manager Karl-Heinz Sprügel. Aber in der Spitzengruppe will der FSV schon mitmischen. Vieles hängt davon ab, wie die Mannschaft das neue Spielsystem umsetzt.

Kurz vor dem Vorbereitungsstart beschlossen die Verantwortlichen einen Trainerwechsel. Marcus Wenninger wurde beurlaubt. Bei der Suche nach einem Nachfolger konzentrierte sich Sprügel schnell auf eine interne Lösung. Und schon wurde Martin Kleinschrodt vom Sportlichen Leiter zum Trainer. „Er erfüllt mehrere Kriterien, auf die wir großen Wert legen“, sagt Sprügel. „Er ist jung, dynamisch und unwahrscheinlich ehrgeizig. Er kommt aus der Region, kennt den Verein und weiß, wie wir ticken.“ Außerdem soll Kleinschrodt die Mannschaft wieder offensiver ausrichten.

Mit Respekt an die Aufgabe

„Ich freue mich natürlich darauf, obwohl ich mit einem gewissen Respekt rangehe. Das wird eine große Aufgabe, ganz klar“, sagt Kleinschrodt. Er überlegte sich die Zusage reiflich (siehe Story gegenüber), da er derzeit beruflich und privat sehr eingespannt ist. Doch die Familie gab das Okay. „Wir wollen so gut es geht Fußball spielen. Das geht nur, wenn man auch Ballbesitz hat“, sagt Kleinschrodt. Jens Breuninger, ehemaliger Keeper der Hollenbacher, stand schon vorher als Co-Trainer fest. Breuninger bringt auch Erfahrung als Trainer mit – beim SC Michelbach/Wald beispielsweise oder in der vergangenen Saison noch beim Bezirksligisten TSV Braunsbach.

FSV geht Risiko

Die Konstellation birgt auch ein gewisses Risiko. Für Kleinschrodt ist es die erste Trainerstation. Und sogleich soll er einer Mannschaft, die es gewohnt ist, aus einer sicheren Defensive mit Maß und Ziel in der Offensive zu operieren, ein neues System verpassen. Offensiver, attraktiver, mit mehr Ballbesitz soll gespielt werden. In der Vorbereitung klappte dies durchaus. Ob es unter Wettkampfbedingungen auch funktioniert, wird sich zeigen. „Wir wollen vor allem unsere individuellen fußballerischen Fähigkeiten verbessern. Zudem wollen wir daran arbeiten, verschiedene Spielsituationen besser zu erkennen, cleverer zu agieren und das Spieltempo auch mal zu variieren“, sagt Kleinschrodt. Wert legt er auf Ballbesitz, Ballkontrolle und Aufbauspiel. „Wir wollen ihn in Ruhe arbeiten lassen, ihm Zeit geben. Dann bin ich überzeugt davon, dass er es schafft, dass wir wieder attraktiven Fußball spielen“, sagt Sprügel.

Als Titelkandidaten hat Kleinschrodt den TSV Essingen und die Sportfreunde Dorfmerkingen auf der Rechnung. Als dritte Kraft könnte – wenn alles gut geht – dann auch schon Hollenbach kommen. Ein Problem könnte der kleine Kader werden – vor zwei Jahren stiegen die Hollenbacher wegen zu vieler verletzter Leistungsträger – unter anderem Kleinschrodt – aus der Oberliga ab. Vergangene Saison kosteten den FSV Personalprobleme wichtige Punkte.

Bleibt das Verletzungspech dieses Mal aus, kann das Team auf jeden Fall eine Rolle im Aufstiegskampf spielen. Zum erweiterten Kreis der Titelkandidaten sind sicher auch die TSG Tübingen, der FC Wangen oder Calcio Leinfelden-Echterdingen zu zählen.