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Leserbrief Zu "Wichtige Weichenstellung für ..." (FN 22. Mai)

Sensibilität und Problembewusstsein fehlen

Der Bericht über die Gemeinderatssitzung in Grünsfeld wird den Geschehnissen im Zusammenhang mit der erteilten Baugenehmigung für das Hochregallager in keiner Weise gerecht.

Einiges an der Vorgehensweise von Stadtverwaltung und Gemeinderat ist zumindest fragwürdig. So wurde die Zusage (noch unter Bürgermeister Beetz), die Dimension des immerhin 35 Meter hohen Gebäudes in der Realität per Luftballons oder dergleichen zu visualisieren, niemals umgesetzt.

Stattdessen sollte am vergangenen Dienstag dem Gemeinderat durch Aufnahmen von geschickt gewählten Standorten der Eindruck vermittelt werden, das Hochregallager sei trotz der gewaltigen Dimension praktisch unsichtbar. Ein Houdini hätte seine Freude gehabt.

Eigentümliches auch an anderer Stelle. Da betätigte sich bei den Beratungen im Vorfeld der Vertreter des Architekturbüros, das traditionell die Planungen für den Antragsteller übernimmt, eifrig als Fürsprecher des Bauvorhabens. Keine Interessenskollision sahen auch die beiden Vorstände des Sportvereins. Und das, obwohl das antragstellende Unternehmen den Verein sponsert und dessen Namen am Eingang des Sportgeländes prangt.

Die treuherzige Aussage von Herrn Haag, er sei erwachsen genug, das eine vom anderen trennen zu können, macht vor allem eines deutlich: mangelnde Sensibilität und fehlendes Problembewusstsein.

Kommen kritische Fragen auf, so werden die Fragesteller abgebügelt, abqualifiziert, mit kaum verhohlenen und nicht belegten Drohungen gekontert: "Verlust der Arbeitsplätze!", "Erhöhung des Wasserpreises!".

Weder das eine noch das andere ist erwiesen. Hängt eine solch harsche Reaktion vielleicht auch damit zusammen, dass diejenigen, die Kritik üben, Frauen sind.

Fühlt das männliche Ego sich dadurch zu sehr in seiner Eitelkeit gekränkt?

Man darf, man muss sich die Fragen stellen, wessen Interessen diese Volksvertreter vertreten. Meine jedenfalls nicht.