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Hochstätt Jugendhaus veranstaltete zweiten Casino-Spieltag / Bingo und Karten in schummrigem Licht / Fantasie-Währung gerecht untereinander aufgeteilt

Vernünftiger Umgang mit „Echsendollar“

Sollte man Kindern Glücksspiele näherbringen? Besteht dabei nicht die Gefahr einer frühen Sucht, wenn man die Sprösslinge womöglich zu Zockern ausbildet? Mit diesen Fragen hatte sich das Jugendhaus Hochstätt im Vorfeld des Casinotags befasst. „Über unseren Aktionstag lernen die Kinder, dass man sich nicht auf sein Glück verlassen kann“, erklärte Jugendhaus-Leiterin und Psychologin Claude Ellinger. „Ein paar Kinder sind pleitegegangen.“

Doch Gott sei Dank lediglich fiktiv. Nach der Premiere 2016 fand nun im Jugendhaus zum zweiten Mal ein Casino-Spieltag mit Karten- und Kugelspielen sowie Bingo statt – und mit der hauseigenen Währung des „Echsendollars“. Denn die schwarze Echse ist das Logo des Jugendhauses Hochstätt.

„Die Kinder spielen nur gegen die Bank, nicht gegeneinander“, erklärt Leiterin Claude Ellinger: „Um ein Konkurrenzdenken auszuschließen.“ Außerdem bildeten die einzelnen Mädchen und Jungs gruppenweise Spielerteams und teilten hinterher den gewonnenen Spielgeldbetrag untereinander auf.

Fruchtcocktails und Popcorn

Mit den gewonnenen Essensmarken konnten sich die Heranwachsenden im Vorraum an der Theke alkoholfreie fruchtige Cocktails mit Strohhalm und Popcorn kaufen. Hinter der Theke bediente die festangestellte Sozialpädagogin Laura Wesemeyer, sie hatte die Idee zu dem Casino-Spieltag. „Sonst spielen wir hier nur Gesellschaftsspiele wie Jenga und Twister.“

Im Glücksspiel spiegele sich metaphorisch das alltägliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen wider: Mal gewinne man, mal verliere man. Deshalb sollte man einen verantwortungsbewussten Umgang mit Glücksspielen erlernen. Oder echtes Geld gar nicht erst zum Spielautomaten tragen.

„Ins Casino geht man schick, haben wir den Kindern gesagt. Darum haben sich manche richtig aufgebrezelt, das finde ich toll“, freute sich Claude Ellinger. Gegen sie konnte man im schummrig beleuchteten Saal an der Station „Schlag die Claude“ in einem einfachen Kartenspiel mit den Skat-Symbolen Bube, Karo, Herz, Schippe und Kreuz antreten. Immerhin befindet sich das zugrundeliegende überlieferte Skat-Kartenspiel seit Dezember 2016 im deutschen Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Selbst trug Leiterin Ellinger einen schwarzen Frack mit weißem Schal.

Von der Kauffrau zur Sozialarbeit

Außerdem waren vier Kinder des befreundeten Jugendtreffs im Rheinauer Nachbarschaftshaus mit zwei Betreuern am Casino-Tag zu Besuch gekommen. Am Bingo-Tisch kurbelte Sozialpädagoge David Dietrich an einer kleinen Gitterkugel mit weißen Zahlenkügelchen darin. „Die zweite Zahl ist die 56!“, verkündete Croupier David Dietrich seinen um ihn herum sitzenden Teilnehmern. An einer anderen Station namens „Der Abgrund“ mussten die jungen Besucher in einer Holzwand mit Schnüren einen Ball an Löchern vorbei balancieren.

Ordentlich mischte Mitarbeiterin Anna Wohler die Karten an ihrem Tisch durch. „Ich mache hier im Jugendhaus gerade einen Bundesfreiwilligendienst“, sagte die 21-Jährige: „Vorher war ich in einer Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel, aus der ich aber so schnell wie möglich wieder heraus wollte. Dafür träumte ich davon, einen sozialen Beruf zu erlernen.“ Jetzt mache ihr der Job viel Spaß: „Der kaufmännische Beruf war mir einfach irgendwann zu monoton geworden.“